Learn how to fly(Formel 1)

Veröffentlicht auf von Rahir

Titel : Learn How To Fly
Autor : LadyPistolero
Prosa oder Poesie : Prosa
Fandom / Original : Fandom: Formel 1 (Sebastian Vettel, Jenson Button)
Genre : Romanze
Link zur Story
http://www.fanfiktion.de/s/4ac8b03b00006ab106d00fa5

 

Sprache

Die Autorin bedient sich einer recht simplen, aber schnörkellosen Sprache, die generell etwas farblos ist. Tippfehler gibt es kaum, nur an einer Stelle die Verwendung von 5 Ausrufezeichen, die mich unwillkürlich an das betreffende Terry Pratchett-Zitat hat denken lassen. Allgemein verwendet die Autorin ihre Ausdrucksweise vor allem, um den Plot weiterzutreiben, ohne sich mit Beschreibungen oder Details aufzuhalten, was gewöhnungsbedürftig, aber auch effizient ist. Wortschatz und Grammatik sind beide unauffällig, aber sattelfest. Ich hätte mir generell etwas mehr bildhafte Beschreibungen gewünscht, vor allem vom Geschehen des Rennbetriebes, aber offenbar geht die Autorin davon aus, dass potentielle Leser bereits genug darüber wissen und keine Vorstellungshilfe benötigen.


Inhalt/Handlung

 

Die Handlung folgt der Hauptfigur, Beatrix Button, die bei den Rennen, zu denen sie ihren Bruder Jenson unfreiwillig begleitet, Sebastian Vettel kennen- und lieben lernt. Der restliche Plot handelt von ihrer Beziehung im Schatten der Formel 1 und der sich später ergebenden Probleme aus der Rivalität zwischen ihrer Familie und jener ihres Geliebten. Der Charakter des Plots hat starken Seifenopern-Einschlag, ohne damit eine negative Wertung aussprechen zu wollen. Wenn man sich GZSZ im Rennfahrermilieu vorstellt, hat man eine sehr gute Vorstellung von der Sache. So seicht und melodramatisch das auch ist, diese Form von Unterhaltung hat viele Fans, die hier voll auf ihre Kosten kommen.

 

Dabei geht es nicht so sehr um Ideen und Themen als vielmehr das Gefühlschaos zwischen Jubel und Trauer der Hauptfigur, in die sich eine Leserin der heutigen Zeit sicher gut hineinversetzen kann. Dass Dialoge, innere Monologe und bestimmte Szenen endlos ausgewalzt werden und sehr redundant vorkommen, verlangt alleine schon das Genre, dem sich diese Geschichte zugehörig fühlt. Es kann deshalb nicht wirklich als Kritikpunkt angeführt werden. Wie das Ende aussieht, will ich hier nicht vornewegnehmen, um niemanden die Spannung zu rauben; es lässt sich aber sagen, dass die Hauptfigur nur wenig Entwicklung durchmacht und stattdessen den Leser auf ein 400 Seiten währendes Wechselbad ihrer Gefühle einlädt, die den Plot dominieren.


Charaktere

 

Die Hauptfigur dieser Geschichte ist, wie schon oben erwähnt, die fiktive Schwester des Formel 1-Rennfahrers Jenson Button. Und ihre Komplexität liegt allein in der Einfachheit ihres Charakters. Dieser gibt auch das Hauptthema der Geschichte vor: Männer. Das allein ist noch in keiner Weise auffallend; was aber sehr bald auffällt, sind weitere Züge, die weniger an realistische Charaktere, sondern mehr an etwas anderes denken lassen. Sie ist überaus gutaussehend, was keinem der(ebenso gutaussehenden)Männern entgeht und diese ihr auch oftmalig bestätigen. Alle ihr begegnenden Männer machen ihr den Hof, als wäre sie die einzige Frau weit und breit. Und ihr Bruder opfert sich neben seinem Beruf als Rennfahrer für sie auf und ist immer um sie besorgt, während er gleichzeitig all ihre Launen geduldig wegsteckt. Was ihr hingegen fehlt, sind charakterliche Kanten oder generell Eigenschaften, die sie als etwas anderes als die Hauptdarstellerin eines persönlichen Wunschtraumes zeigen. Ein Schelm(oder eher ein von der melodramatischen Prämisse unvoreingenommener Leser), wer nun an Mary-Sue denkt.

 

Alle weiteren Figuren, die sich aus den diversen Fahrern des Formel 1-Zirkus und deren Angehörigen zusammensetzen, fristen eher ein Dasein als Kulisse für ihre Auftritte oder sind love-interests für das standardmäßige Beziehungsdreieck. Charaktereigenschaften bekommen sie nur am Rande. Vielmehr werden ‚wunderschöne blaue Augen‘ insgesamt 23mal erwähnt, sowie deren tolle, durchtrainierte Figuren. Letzteres trifft auf professionelle Rennfahrer tatsächlich zu; die unablässige Betonung dieser äußerlichen Eigenart lässt einen(was wohl beabsichtigt ist)allerdings öfters an ein Buchcover in zartrosa mit Fabio darauf denken. Den meisten Leserinnen wird die bloße Erwähnung von gutaussehenden Männern wohl schon reichen, etwas mehr Raffinesse bei deren Beschreibung wäre aber dennoch wünschenswert. Vor allem aber hätten charakterliche Kanten, die über das bloße Wechselbad aus Anhimmelung und Herzschmerz hinausgehen, dieser Geschichte weitere interessante Facetten geben können.


Sonstiges

 

Die Zusammenfassung besteht aus solch durchschnittlichen Gemeinplätzen, sodass sie perfekt zur dazugehörigen Geschichte passt. Sie beginnt mit: „Beatrix Button hat es wahrlich nicht leicht.“ Diese Aussage bewahrheitet sich erst im späteren Verlauf der Geschichte. Denn von den erst später einsetzenden Quälereien zwischen ihrer Familie und jener der Vettels abgesehen hat sie es sogar sehr leicht, da nahezu alle ihr begegnenden Figuren augenblicklich von ihr hingerissen sind und sie mit Komplimenten überschütten. Später, als die tatsächlichen Komplikationen einsetzen, nimmt alles sehr schnell melodramatischen Charakter an. Subtile Zwischentöne oder facettenreiche Charaktere finden weder hier noch da Platz.

 

Erfreulicherweise nehmen zumindest die Formel 1-Rennen später mehr Raum ein und sind nicht bloß rein der Hintergrund ihrer Romanze. Allerdings sind die Schilderungen der Rennen an sich mit nicht annähernd derselben Leidenschaft verfasst wie das Gefühlsleben der Hauptdarstellerin. Perspektivenwechsel mit Namens-Überschrift anzukündigen ist übrigens völlig unnötig und übertriebene Rücksichtnahme auf unaufmerksame Leser. Auch so geht sehr gut hervor, wer gerade die Erzählerperspektive inne hat.  


Persönliche Meinung

Meine ‚persönliche Meinung‘ kann hier kaum relevant sein, da ich von der Zielgruppe ungefähr so weit entfernt bin wie vom Südpol. Andererseits will ich diesen Punkt auch nicht leer lassen, also: Ich empfinde jedes Mal eine Mischung aus Bedauern und Befremden, eine so ‚klaustrophobische‘ Geschichte zu lesen. Jede Zeile dieser Geschichte spricht von der Beengtheit der erzählenden Hauptfigur, in die die dahinterstehende Autorin all ihr Bedürfnis nach Drama und Kitsch hineinverfracht. In Geschichten auszuleben, was die Realität zu spärlich enthält, ist der Antrieb vieler Autoren, und ich persönlich nehme mich da nicht aus.

 

Es sollte aber neben dem Bestreben, die Zielgruppe zu erfreuen und die Phantasie auszuleben, auch immer noch das Ziel da sein, zwischenmenschliche Realität zu erkunden und neu zu beleuchten, da dies für den Autor wie auch den Leser den Horizont bedeutend erweitern kann. Doch leider Dinge fehlen hier Dinge wie Empathie mit Figuren, die einen anderen Erlebnishorizont als die Autorin haben. Andererseits ist das genau das, was die Zielgruppe dieser Unterhaltung erwartet und ihr ein behagliches Gefühl des Wiedererkennens und der mentalen Geborgenheit gibt. Somit könnte diese Geschichte nur noch dann mehr ‚Mainstream‘ sein, indem sie ein Diskoschiff auf dem Amazonas mietet.


Überarbeitungsvorschläge

 

Was die Oberfläche dieser Geschichte angeht, nämlich Stil, Orthografie und Ausdrucksweise, gibt es nicht allzu viel zu verbessern. Der vermehrte Einsatz von Beschreibungen würde der Geschichte allerdings mehr Farbe verleihen. Ebenso würde ich persönlich die Dialoge und mehr noch die inneren Monologe mit einer Schmalz-resistenten Gartenschere zurückstutzen, da weniger in den meisten Fällen mehr ist. Was die seichte Melodramatik, die schablonenhaften Figuren und die vorhersehbare Handlung betrifft, so sind dies Dinge, die gerade Leserinnen anlocken; insofern würde ich der Autorin keinen Gefallen tun, davon abzuraten. Zudem sie wegen zwischenzeitlich nachlassender Leserreviews- zumindest entnahm ich das einer ihrer Zwischenmeldungen- während des Schreibens eine gewisse Demotivation erlitt. Allerdings ist es nicht Sache eines Feedbacks wie diesem, auf Review-Bettelei einzugehen, deshalb schließe ich mit folgendem Fazit:

 

‚Learn how to fly‘ ist GZSZ mit Rennfahrern, für den, der’s mag.

 

Liebe Grüße,

Rahir

 

 

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Veröffentlicht in Fanfiktion_Sport

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