"Alle lieben Sam..." von RexHo54 (Formel 1)
Autor: RexHo54
Titel: Alle lieben Sam…
Serie: Formel 1
Genre: Romanze
Status: Unvollendet (28 Kapitel)
Zusammenfassung des Autors: Sam Everly ist die erste Frau in der Formel 1. Sie will gewinne und jedem zeigen, dass auch eine Frau in einem Männersport erfolgreich sein kann, obwohl ihr die Aufmerksamkeit, die ihr mittlerweile zuteil wird, nicht immer ertragen kann. Der Grund davor liegt in ihrer Vergangenheit begraben, denn in ihrem Leben lief nicht immer alles nach Plan, auch nicht in der Liebe. Wird ihr Geheimnis gelüftet? Findet sie doch die große Liebe? Und wer wird es überhaupt für sie sein? Fernando, Kimi, Mark oder doch jemand ganz anderes?
Link: http://www.fanfiktion.de/s/48f60ae3000095d306d00fa5
Sprache
Gerade in der ersten Hälfte der Geschichte ist die sprachlich noch sehr unsicher. Am meisten gestört hat mich dabei die Satzstellung: Die Autorin verknüpfte ihre Sätze nicht richtig oder überhaupt nicht, sondern schrieb ihre Gedanken so wie sie kamen und nur mit einem Komma getrennt auf. Teilweise gab es Sätze mit ganzen 8 Teilsätzen, wodurch dem Geschriebenen jegliche Betonung verloren geht und es sich wie ‚anhörte‘ wie pausenloses, monotones Geplapper. Das Wort „dann“ wurde beinahe inflationär benutzt und Füllwörter ( z.B. „halt“, „eben“, „ja“, „na ja“ „oder so“ etc.) sowie unnötige Abkürzungen ließen den Stil flapsig, beinahe ordinär wirken. Dazu kamen relativ viele Flüchtigkeitsfehler (wie zum Beispiel „war“ statt „wahr“ oder „viel“ statt „fiel“) und falsch benutze Wörter („puderrot“ statt „puterrot“; die Charaktere „verleihern“ die Augen anstatt sie zu verdrehen oder „erzählen mit jemandem“, wobei man mit jemandem redet oder ihm etwas erzählt). Fragen werden oft nicht mit einem Fragezeichen gekennzeichnet und hin und wieder entdeckte ich einige Zeitfehler. Der Wortschatz ist relativ simpel gehalten.
In der zweiten Hälfte wird die Satzstruktur dann sichtlich besser und die Flüchtigkeitsfehler seltener. Dadurch war der Lesefluss wesentlich besser und man kann den Text eindeutig angenehmer lesen.
Inhalt
„Alle lieben Sam“ dreht sich wie der Titel schon so passend sagt um Sam, die erste Frau in der Formel 1. Dabei geht es nur nebenbei um ihren Einstieg in die Formel 1, sondern vielmehr um die Beziehungsgeflechte zwischen ihr und den Männern in der Formel 1.
Das erste Kapitel ist ein gutes Beispiel, wie man eine Geschichte nicht anfängt und wie man seinen Protagonisten nicht vorstellt. Der Prolog ist nämlich Sams Biografie im Schnelldurchlauf, angefangen mit dem Kennenlernen ihrer Eltern bis hin zum Verlauf ihrer Karriere als Rennfahrerin. Abgesehen davon, dass es sprachlich nicht gut umgesetzt war, ist so eine Biografie auch nicht besonders interessant. Desweiteren ist es auch nicht so leicht, einfach mal so – ohne Manager oder Beziehungen – in die Formel 1 zu kommen. Die Geschichte ist auf einer recht wackeligen Logik aufgebaut.
Die Geschichte orientiert sich an der Formel 1, wodurch man den roten Faden recht gut nachvollziehen kann. Dadurch dass Sam ihre Geschichte aus der Zukunft heraus erzählt, wird vieles im Schnelldurchlauf erzählt, wodurch auch oft wichtige Passagen zu kurz kommen. Alles wird sehr oberflächlich ausgearbeitet, vor allem was die Formel 1 angeht und den Krebs der Mutter. Man merkt, dass hier keine bzw. nicht genügend Recherche angestellt wurde, wodurch logische Ungereimtheiten aufkommen (Beispiel: Sam trinkt mehr als vier Gläser Wodka und sagt nachher, sie hätte wenig getrunken. Für eine Frau ist das ziemlich viel.).
Gerade die Krankheitsgeschichte von Sams Mutter wird nicht mal ansatzweise ordentlich genug aufgearbeitet und nicht realistisch genug beschrieben, als dass mich die übertrieben sentimentalen Szenen rund um ihren Tod berührt hätten. Die Frau ist anscheinend nicht oft genug zum Arzt gegangen, weswegen der Krebs zu spät diagnostiziert wurde. Komischerweise bekommt sie aber keine Chemotherapie angeordnet – so wie alle anderen Krebspatienten - und kann ganz normal mit ihrer Familie leben. Das halte ich für kompletten Schwachsinn. Auch die Hintergründe zu Fernandos (Ex-)Frau Raquel erscheinen mir komplett an den Haaren herbeigezogen. Gerade eine Hochzeit kann man als Prominenter einfach nicht geheim halten, schon gar nicht eine Scheidung.
Wirklich viele Details hat die Geschichte nicht. Beschreibungen der Umwelt und der Charaktere fehlen bis auf einige, wirklich seltene Ausnahmen völlig, wodurch keine Atmosphäre oder Stimmung irgendeiner Art im Leser aufkommen kann. Die Rennen werden durch die Kommentare der Sprecher erzählt, was so sterbenslangweilig war, dass ich sie mir gar nicht erst durchgelesen habe. Bei Gesprächen, insbesondere den Interviews mit Reportern, wechselt die Autorin in eine Art Chatsprache, in der nur das nackte Gespräch dargestellt wird und das wichtige Drumherum komplett ignoriert wird. Die Gespräche an sich sind zwar recht gut geschrieben, aber es fehlt ihnen an Fleisch(Gestik, Mimik der Charaktere etc.), sodass sie sehr nüchtern wirken. Dann wiederum wird Sam unzählige Male beim Duschen, Kofferpacken, Wäschesortieren eingehend beschrieben – und natürlich wird ihr Outfit niemals ausgelassen. Im Endeffekt gibt es unzählige Details, die nichts transportieren oder zur Charakterisierung beitragen und die dann an Stellen fehlen, wo sie wichtig gewesen wären.
Das liegt teilweise auch daran, dass Sam ja an einem späteren Zeitpunkt ihre Geschichte erzählt. Die angestrebte Perspektive wurde aber nicht durchgehalten, da die Geschichte dafür immer noch ZU detailliert ist und sich das im Erzählstil auch nicht wirklich wiederspiegelt, welcher eher direkt ist und nicht erkennen lässt, dass Sam diese Erfahrungen schon durchgemacht und daraus gelernt hat.
Charaktere
Mittelpunkt und Ich-Erzählerin der ganzen Geschichte ist Sam Everly, die erste Frau in der Formel und natürlich eine begnadete Fahrerin, die schon bei ihrer ersten Testfahrt Bestzeiten einfährt. Der Tod ihrer Mutter hat sie schwer getroffen und sie hatte einen gewalttätigen Exfreund, weswegen sie sehr still und zurückgezogen ist – zumindest behauptet sie das. Die Realität sieht nämlich anders aus, denn sie freundet sich schon am ersten Tag mit einigen der anderen Fahrern an, geht mit Fernando schon in der ersten Nacht ins Bett und ist auch so alles andere als introvertiert. Sie sagt, sie mag keine Röcke, trägt sie aber ständig und ihre Outfits beschreibt sie ausführlicher als alles andere (was nicht viel heißt), obwohl sie ja eigentlich nicht an Mode interessiert ist. Sie behauptet, dass die Formel und das Fahren ihr Leben ist, aber gerade dieser Teil ihres Lebens kommt in der Geschichte viel zu kurz und ist unzureichend recherchiert. Die Person, die Sam sein soll und die, die man in der Geschichte dann präsentiert bekommt, unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Die angesprochenen Widersprüche sind bei weitem nicht die einzigen, sodass Sam Everly unglaubwürdig und unrealistisch ist.
Ihr Problem mit den Männern und ihren Gefühlen diesen gegenüber ist das einzige, was die Autorin ausreichend thematisiert, wodurch alles andere zu kurz kommt. Allerdings werden die Auswirkungen von Fernandos Eifersucht und seiner Gewalt ihr gegenüber nicht durchgezogen und schnell vernachlässigt. Zum Beispiel will Sam nach ihrem ersten Date mit Kimi nicht mit ihm schlafen, steigt aber kurze Zeit später schon mit ihm ins Bett; ohne wirkliche Angstgefühle.
Fernando benimmt sich wie ein Kleinkind und ist in seiner Darstellung so stark überzogen, dass er zur Witzfigur mutiert. Er wird wegen der kleinsten Kleinigkeit rasend eifersüchtig und hat sich dabei kein Stück unter Kontrolle. Das will nicht dazu passen, dass er seine Ehe mit Raquel so unter Verschluss halten konnte, dass nur die wenigsten davon wissen. Im Verlauf der Geschichte wird er zum „Bösewicht“, der Sam schlägt, beinahe vergewaltigt und dann Lügen über sie verbreitet. Seine positiven Seiten treten in den Hintergrund.
Auf die weiteren Fahrer wird nicht so richtig eingegangen, da Sam erzählt. Mark, Nico und Sebastian benehmen sich aber alle „realistisch“. Ob sie sich an ihren Vorbildern orientieren, kann ich nicht beurteilen, da ich mich mit der Formel 1 nicht auskenne.
Fazit
„Alle lieben Sam“ greift viele sensible Themen auf (Krebs, versuchter Suizid, häusliche Gewalt), wird diesen aber leider nicht gerecht, weil die Autorin erstens nur so durch die Erzählung hetzt, zweitens nicht genügend in die Tiefe geht und drittens keine ausreichende Recherche betrieben hat. Die Protagonistin Sam ist ein Widerspruch in sich und wurde nachlässig in die Formel 1 „Welt“ geschoben, passt aber nicht so wirklich hinein.
Überarbeitungsvorschläge
Für die sprachliche Überarbeitung, gerade der ersten Hälfte, würde ich der Autorin anraten, einen Betaleser zu konsultieren. Da sie sich anscheinend auch selbst verbessert hat, kann auch sie alleine die erste Hälfte sicherlich stark verbessern. Flapsige Aussprüche, Abkürzungen und Füllwörter gehören in eine Erzählung nicht hinein, sind allerhöchstens während der direkten Rede angemessen, wenn sie zum Sprechenden passen.
Die Handlung sollte noch einmal gründlich darauf überprüft werden, ob sie Sinn ergibt und realistisch ist. Allgemein würde es der Geschichte sehr gut tun, wenn mehr „direkt“ erzählt würde als alles nur zusammenzufassen, denn Zusammenfassungen sind stinklangweilig und transportieren keine Atmosphäre. Sie sind dann sinnvoll, wenn irrelevante Passagen überbrückt werden müssen.
Details und Beschreibungen müssen unbedingt noch hinzugefügt werden, allerdings will der Leser Sam nicht beim Duschen oder Kofferpacken erleben, sondern bei Aktivitäten, die ihren Charakter ausmachen. Ein Blick in ihren Kopf bei einem Rennen wäre ein Anfang, denn sie ist ja Rennfahrerin aus Leidenschaft.
Der ganze Charakter ‚Sam Everly‘ sollte sehr gründlich überarbeitet werden. Die Eigenschaften, die ihr zugeteilt wurden, sollten sich erstens in ihren Handlungen wiederfinden und zweitens zu ihrem Lebensweg passen. Desweiteren wäre es nicht schlecht, noch weiter auf ihre Karriere einzugehen, da ihr Einstieg in die Formel 1 sonst viel zu mühelos erscheint.
Liebe Grüße
Smailii1805