Die beiden auf Gleis 2(Original)

Veröffentlicht auf von Rahir

Titel: Die beiden auf Gleis 2 

Autor: Feael Silmarien

Prosa oder Poesie: Prosa

Fandom / Original: Original

Genre: Allgemein

Link: http://www.fanfiktion.de/s/4df4c84700001a8b0c907530

Zusammenfassung: Eine Frau, ein Mann, ein Gleis, ein Problem.

 

Sprache

Ich kenne die Autorin als eine sehr talentierte Stilistin. Eine Eigenschaft, die ich schon in früheren Reviews gelobt habe, wenngleich von mir zeitweise ungeschickt formuliert(worüber sie sich zu recht lustig machte ;)). Ein Feuerwerk an sprachlichen Feinheiten gibt es hier aber nur in einer Form, und zwar der des Minimalismus. Und das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil. Wie so manches Bild aus wenigen Strichen und ohne Farbe viel aussagen kann, so tut es auch dieser Text in seiner konsequenten Beschränkung. Ein guter Teil dieses sprachlichen Experiments wurde offenbar mit Strg+C erstellt, was im Kontext funktioniert.


Inhalt/Handlung

 

Der Inhalt der Geschichte ist genauso minimalistisch wie der Stil der Ausführung, und dabei doch auf universelle Weise fundamental. Er behandelt Hoffen und Bangen, Träumen und Fürchten, und was diese gegensätzlichen Stimmungen in einer Person bewirken können. Es handelt sich um die Schilderung einer Begegnung und die damit einhergehenden Schwierigkeiten, ausgelöst von Erwartung und Befürchtungen. Dabei ist es aber nicht direkt eine Liebesgeschichte, wie die Zusammenfassung vermuten lassen könnte, sondern vielmehr eine Geschichte der Möglichkeiten.


Charaktere

Die Hauptfigur hat kein Aussehen, keinen Dialog, keine Beschreibung, aber dafür eines: Charakter. Und zwar den einer jungen, von sich selbst überzeugten und doch auch unsicheren Frau, die mit ihren Gefühlen ringt und diese sowie die Welt nicht ganz versteht. Sie findet sich in einer Situation, die jeder kennt, erhofft, aber irgendwo auch befürchtet. Das Überwinden der eigenen Unsicherheit, gespeist von banger Hoffnung, ist die Schwierigkeit, die zwischen ihr und der zweiten Figur dieser experimentellen Geschichte steht. Jene zweite Figur bleibt bis auf den Eindruck, den sie auf erstere macht, konturlos und wird somit zur Projektionsfläche der allbekannten Empfindungen, welche die Hauptfigur mit dem Leser teilt.


Sonstiges

Die Grundidee zu dieser Geschichte ist nicht im Mindesten originell- und dabei die vielleicht wichtigste der Kunstgeschichte allgemein. Es ist letztendlich eine Erzählung alt wie die Zeit, ein ‚Lied alt wie der Reim‘ selbst. Und sie hat hier eine eigentümliche und der heutigen Zeit angepasste Ausdrucksweise gefunden. Die Zusammenfassung sagt genug, verrät aber nicht zu viel. Die Struktur gleich zwar einem modernen Kunstwerk, stellt sich aber der ‚Botschaft‘ nicht in den Weg.


Persönliche Meinung

Mir gefällt besonders das vieldeutige Ende dieser Geschichte, die mehr einen Anfang als ein Ende verheißt. ‚Offen für Interpretation‘ ist oft ein Vorwand, der darauf hindeutet, dass der Autor selbst keinen Plan hatte; in diesem Fall funktioniert es aber.

Fazit: Eine Frau, ein Mann, ein Gleis- ein lesenswertes Experiment.

 

Liebe Grüße

Rahir


Werbung

Veröffentlicht in Original_Allgemein

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
F
Hallo Rahir!<br /> <br /> Ich habe in letzter Zeit uni- und gesundheitsbedingt kaum Zeit für Antworten, aber da sie nun mal zum guten Ton gehören, möchte ich mich wenigstens für deine Rezension bedanken. Eine solch<br /> detailierte Betrachtung hatte dieses Experiment schließlich auch nötig, ich selbst kann da ja schlecht abschätzen, was da letzten Endes herausgekommen ist. Ich merke ein weiteres Mal, dass euer<br /> Blog eine seeeeeehr feine Sache ist.<br /> <br /> Also: Vielen lieben Dank!<br /> <br /> Feael
Antworten