Stella Maris(Original/Drama)
Titel: Stella maris
Autor: Melmoth
Genre: Drama (Prosa, Original)
Link: http://www.fanfiktion.de/s/4b61f0fd000038370c906978
Kurzbeschreibung: Isa ist ein Jugendlicher aus Großbritannien, der an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan bei den Vorbereitungen eines Terroranschlags aufgegriffen wurde. Benebelt vom Schock seiner Gefangennahme und unter Drogen gesetzt, wird seine Wahrnehmung der Geheimdienst-Mitarbeiterin, die ihn befragt, immer wirklichkeitsfremder...
Sprache
Der Text ist rechtschreibtechnisch völlig korrekt, was angesichts der Kürze auch zu erwarten ist. Grammatikalisch gibt es wenig Auffälligkeiten, nur einige wenige Ein-Wort-Sätze und darüber hinaus viele klingende Metaphern, die zugleich die Hauptaussage der Geschichte tätigen.
Zeitweilig wiederholen sich die Formulierungen, was wohl Absicht war und das Grundthema weiter vertiefen soll. Ich persönlich hätte mir stattdessen lieber etwas mehr Variantenreichtum gewünscht, aber grundsätzlich ist es technisch gelungen.
Inhalt/Handlung
Diese sehr kurze Geschichte lebt nicht von ihrer Handlung, die nur fragmentarisch vorhanden ist, sondern vielmehr von ihrer Atmosphäre, besonders dabei der Schilderung der Medikamenten-induzierten Rauschzustände der Hauptfigur Isa. Darüber hinaus gibt es nur eine zweite Figur, die Geheimdienst-Mitarbeiterin Mary.
Die Handlung besteht letztendlich aus der Annäherung der beiden Figuren, zwischen denen zu Beginn noch die Weltfremdheit und Frauenfeindlichkeit der islamischen Terroristen steht, zu denen Isa sich bis dahin zählte. Dieses Näherkommen hat durchaus Charme, bleibt letztendlich aber ein Fragment, was wohl beabsichtigt war.
Charaktere
Die Charaktere stehen hier offensichtlich nicht im Vordergrund, wie oben bereits gesagt. Soweit sie aber vorhanden sind, haben sie nur wenig Substanz. Isa stammt aus England, suchte dann aber ein Terroristenausbildungslager in Afghanistan auf. Seine Motivation wird in einem Satz angerissen- weiter wird diese hochaktuelle Thematik aber nicht vertieft.
Mary, die Geheimdienst-Mitarbeiterin, bleibt dagegen völlig konturlos- bis auf ein paar Beispiele denkbar unpassendem Dialog. Zeilen wie „Wie konnte ein Mensch mit deinem Gewissen so lange unter Verbrechern und Mördern leben?“ klingen aus dem Mund eines im Außendienst arbeitenden und dementsprechend erfahrenen Agenten einfach lächerlich. Hier hätten etwas mehr nüchterne Realitätsnähe und etwas weniger Pathos der Geschichte gut getan.
Sonstiges
Die Idee, eine Geschichte zwischen Post-9/11 und Afghanistankrieg anzusiedeln, ist sehr begrüßenswert. Allerdings macht die Autorin aus der Idee nicht allzu viel, was wohl auf die Kürze dieser Geschichte zurückzuführen ist.
Darüber hinaus ist die Kurzbeschreibung passend und der Stil überzeugend, wenngleich er den Schwerpunkt auf psychedelische Beschreibungen legt und nicht auf Figuren oder Handlung- was auch in Ordnung ist und wohl beabsichtigt war. Der Text hat auch genügend Absätze und Freizeilen, um übersichtlich zu bleiben.
Persönliche Meinung
Die Kurzbeschreibung hat mein Interesse spontan angefacht, da diese Themen in der Fanfiction-Szene denkbar selten angerührt werden. Was folgte, war dann aber mehr eine Aneinanderreihung von Metapher-Gewittern, die drogeninduzierte Halluzinationen darstellen. Das eigentliche Thema bleibt klar im Hintergrund, ebenso wie die Figuren, die wenig zu sagen haben.
Die Identifikation mit diesen fällt mir schwer, erfährt man doch kaum etwas über sie. Die Grundidee verlangt förmlich danach, in mehr als nur gut 2000 Wörtern ausgebreitet zu werden, doch diese Entscheidung liegt letztendlich bei der Autorin. So gesehen hätte sich diese Geschichte, von der am Ende erfolgenden Annäherung der beiden Protagonisten abgesehen, ebenso gut in einem Vorstadtszenario zwischen Polizistin und Junkie abspielen können.
Überarbeitungsvorschläge
Zu verbessern gibt es wenig, was nicht ohnehin im Sinn der Autorin erfolgte. Ich traue ihr durchaus zu, ein ‚vollständigeres‘ Werk zu diesem Themenkreis abzuliefern, das über ein bloßes Bewusstseins-Fragment hinausgeht. Vielleicht geschieht das ja noch.
Fazit: Ein eindrückliches Trip-Erlebnis, viel mehr aber nicht.
Liebe Grüße,
Rahir