'Vom Sterben und neu Geboren werden' von Archimedes (Final Fantasy XII)
Titel: "Vom Sterben und neu Geboren werden"
Autor: Archimedes
Prosa oder Poesie: Prosa
Fandom / Original: Final Fantasy XII
Link zur Story: http://animexx.onlinewelten.com/fanfiction/autor/17214/216652/
Kurzbeschreibung des Inhalts:
"Für jeden Hume kommt einmal die Zeit, in der er entscheiden muss, welchen Weg er einschlagen will. Den einen. Oder den anderen.
Und diese Wahl ist es, die darüber bestimmt, was für ein Hume er sein wird."
Sprache
An der Rechtschreibung gibt es nichts auszusetzen, bis auf einige ganz wenige fehlplatzierte Kommas ist sie einwandfrei. Nicht ganz so glücklich war ich zeitweise mit der Grammatik. Die Autorin favorisiert offensichtlich eher umständliche und zeitweise antiquiert wirkende Formulierungen, die das Lesen nicht unbedingt erleichtern. Wenn man sich schon mit der Literatur früherer Jahrhunderte auseinandergesetzt hat, dann kommen einem viele der Satzkonstruktionen bekannt vor; in einem zeitgenössischen Werk wirken sie eher ‚gestelzt‘, wenngleich ich den Eindruck habe, dass das durchaus beabsichtigt ist.
Der Wortschatz ist erfreulich umfangreich und wird gut eingesetzt. Generell klingt die Ausdrucksweise bewusst ‚gewählt‘, was dem ganzen Text einen altmodischen Charme verleiht. Mich hat das durchaus angesprochen; andere Leser mögen sich eventuell daran stoßen. Zudem neigt die Autorin auch dazu, Adjektive an den Satzanfang zu setzen; eine Methode, die bei Häufung den Lesefluss ins Stocken zu bringen droht.
Inhalt/Handlung
Die Handlung beginnt mit einer kurzen Episode in der Gegenwart, an die eine längere Rückblende anschließt. Im Grunde wird hier das erste Aufeinandertreffen zwischen Balthier und seiner Getreuen Fran geschildert, eine Begebenheit, die in der Vorlage ja ausgespart wird. Der Beginn, also die Idee, in Rabanastre- einer Wüstenstadt- einen Eislaufplatz zu errichten, klingt zuerst sehr nach Satire. Später gibt es dann aber sehr ernste und hintergründige Zwischentöne, was mich angenehm überrascht hat.
Im weiteren Verlauf wird nicht nur die Begebenheit dieses Treffens geschildert, sondern auch Balthiers Verhältnis zu einem weiteren Charakter aus dem FF12-Universum, nämlich Zecht. Das alles findet statt vor dem Hintergrund des Krieges zwischen ihrem Heimatland Archadia und den Nachbarstaaten. Diese Elemente sind alle sehr gut miteinander verwoben und machen nie den Eindruck, hineingeschoben worden zu sein.
Charaktere
Die Hauptfigur ist zweifellos Balthier. Daneben wird auch sein Verhältnis zu Zecht, einem Richter, der bekanntermaßen später zu einem Piraten wird, sowie seinem Vater aufgezeigt. Was die Vorlage betrifft, so sind alle Figuren gut wiederzuerkennen, haben aber auch darüber hinaus eine erfreuliche Tiefe in ihrer Handlungsweise und ihren Gedankengängen. Die künstlerische Freiheit der Autorin geht hier auf gelungene Weise Hand in Hand mit der Treue zu der Vorlage.
Die unterschiedlichen Charaktere wurden alle sehr gut eingefangen. Balthiers Ungestüm und Ehrgefühl, Frans lakonische und doch teilnahmsvolle Natur, oder Cids schleichender Wahnsinn, geprägt von den Beeinflussungen Venats, alles wird lebendig und glaubhaft geschildert. Auch die Dialoge laufen sehr schlagfertig und wortgewitzt ab. Generell liegt bei dieser Kurzgeschichte der Schwerpunkt auf den Charakteren und ihren Veränderungen; etwas, das viele Autoren leider vernachlässigen, das aber beim Lesen mehr Eindruck hinterlässt als ein noch so ausgefeilter Plot.
Sonstiges
Die Idee, ein fehlendes Stück der Originalhandlung hier nachzuvollziehen, ist gelungen und auch gut durchgeführt. Der Titel bezieht sich wohl auf die geschilderte Wandlung von Balthier, ein Thema, das später im ‚Sterben‘ seines früheren Namens auf sympathische Weise aufgegriffen wird. Die Zusammenfassung trifft den Nagel eigentlich auf den Punkt, wenngleich sie für meinen Geschmack etwas sehr nach Kalenderspruch klingt.
Die Erzählfülle profitiert von den knappen, aber zugleich sehr wirksamen Umgebungsbeschreibungen, die einem das Bild des Schauplatzes jederzeit effizient und anschaulich vermitteln. Ebenso tragen die gelungenen Metaphern zur Erzählfülle bei, die zielgenau wie Salzprisen eingesetzt werden. Nur manchmal bordet die Lautmalerei für meinen Geschmack etwas über, wenn etwa von „legerem Wirrwarr und munterem Gegacker“ oder „obszönen Gerätschaften und ulkigen Skurrilitäten“ die Rede ist; klare Fälle, wo verzichtbare Adjektive zu finden sind.
Von der Struktur her wird sich vielleicht so mancher Leser mehr Absätze wünschen; mich persönlich haben die teilweise recht langen Textblöcke nicht gestört. Einzig zwei oder drei Einrückungen nach einem Zeilensprung täten dem Auge gut. Was mir ebenso noch auffiel, war die gekonnte Verwendung von Wiederholungen; eine sehr seltene Kunst. Die Formulierungen „weitaus edler…“ und „unpassend wie kein zweites…“ sorgen durch ihre jeweilige Anwendung für ein nachhaltiges Echo, das auf subtile Weise die Empfindungen der Hauptfigur widerspiegelt.
Persönliche Meinung
Mich persönlich hat diese kleine Geschichte in jeder Hinsicht überzeugt. Kritikpunkte gibt es nur kleine; beispielsweise empfehle ich der Autorin, ihre recht kunstvolle Sprache nicht über die Stränge schlagen zu lassen und nicht zu sehr an zeitweise umständlichen Formulierungen festzuhalten. Man merkt, wie viel Freude die Autorin an der Sprache an sich hat, sowie an vielen kleinen Schnörkeln, wie beispielsweise die Anspielung auf einen Ausspruch von Bilbo Beutlins Geburtstagsfeier, die womöglich nur wenigen auffallen wird(die Hälfte von euch kenne ich nicht so gut usw.…). Davon abgesehen, dass mich dieser Stil sehr anspricht, könnte er jüngere Leser abschrecken; womöglich mit ein Grund, warum diese in meinen Augen exzellente Geschichte auf Animexx nur so wenige Reviews bekommen hat.
Liebe Grüße,
Rahir