Schachmatt(Drei Musketiere)
Titel: Schachmatt
Autor: Stromi
Prosa oder Poesie: Prosa
Fandom: Drei Musketiere (Originalbuch von Dumas, nicht Musical- oder Filmbasiert!)
Genre: Romanze
Link zur Story: http://www.fanfiktion.de/s/47bd555b0000095f06709088
Kurzbeschreibung des Inhalts: Schlechtes Wetter in Brüssel. Mylady und Rochefort vertreiben sich bei einem Spiel die Zeit.
Sprache
Sprachlich war diese kurze Geschichte eine Wohltat: Gewandte Formulierungen, schlüssige Überleitungen, gekonnt eingestreute, knappe Beschreibungen sowie sparsame, aber wirkungsvolle Dialoge lassen sie auf ganzer Linie glänzen. Dass sich auf den gut 1000 Wörtern keine Typos fanden, nehme ich als recht und billig an. Als Ganzes verrät der Text eine geübte Autorin und auch Leserin, denn das eine bedingt auch das andere. Was diesen Punkt als uneingeschränktes Lob abhakt und zum nächsten führt…
Inhalt/Handlung
…bei dem ich zu meiner Schande gestehen muss, das Original von Dumas nie gelesen zu haben. Dieser Bildungskrater meinerseits wirkt sich hier aber nicht aus, da die Handlung dieser kurzen Geschichte denkbar simpel ist(wäre anders auch kaum möglich). Es geht schlicht um den unterschwelligen Gedankenaustausch zwischen zwei Figuren aus Dumas‘ Feder, der nur aus Andeutungen besteht und den Rahmen eines unauffälligen Schachspiels hat. Es bleibt bei Subtilitäten; jenem Werkzeug, dessen Verwendung 90% aller Hobby-Autoren unbekannt ist. Weniger ist mehr- das gilt besonders bei Plot-Strukturierung, kann ich nur betonen. Anstatt den Leser mit ebenso komplexer wie sinnloser Mythologie abzulenken und zu beschäftigen, geht es hier einfach um glaubwürdige Interaktion auf menschlicher Ebene; vier Sterne nach Ebert von meiner Seite.
Charaktere
Von denen gibt es hier genau zwei: Mylady und Rochefort. Und siehe da, meine unverzeihliche Unkenntnis des ‚Fandoms‘, wenn man diesen Ausdruck auf einen literarischen Klassiker anwenden will, wirkt sich auch hier nicht nachteilig aus. Auf, oder besser gesagt, zwischen den Zeilen wird hier mehr Charakterisierung betrieben als in so mancher 1000seitiger Fanfic. Mylady ist hier eine unnahbare, hochmütige und doch im Grunde ihres berechnenden Herzens unsichere Person, die ihre persönliche Grenze aus Abgebrühtheit und gespielter Überlegenheit verteidigt, während der bedacht agierende und sich resignierend in seine Rolle fügende Rochefort den zaghaften und letztendlich aussichtslosen Vorstoß wagt, die geschäftsmäßige Beziehung zu seinem Gegenüber zu ändern. Und dieser Effekt wird quasi nebenbei und aus dem Handgelenkt erzielt. Erste Klasse.
Persönliche Meinung
Diese Fanfic macht alles richtig, was so viele andere Fanfics falsch machen: Die Figuren sind dreidimensional, und das selbst mit wenigen Pinselstrichen. Niemand jammert oder fühlt sich unverstanden. Und der Einstieg ist selbst Banausen wie mir, die nie Dumas gelesen haben, problemlos möglich und schafft auf relativ wenigen Zeilen Lesevergnügen. Unaufdringlich, routiniert und mit wesentlich mehr Gehalt zwischen den Zeilen, als in diesen.
Überarbeitungsvorschläge
…gibt es von meiner Seite keine.
Fazit: Statisch, knapp und doch ausdrucksvoll wie ein Gemälde eines alten Meisters.
Liebe Grüße,
Rahir