Mein Weg(Herr der Ringe)
Titel: Mein Weg
Autor: Riniell
Prosa/Poesie: Prosa
Fandom: Herr der Ringe
Genre: Allgemein
Link zur Story: http://www.fanfiktion.de/s/49ca63ab0000ca8606700fa0
Kurzbeschreibung des Inhalts: König Thranduil entdeckt seine Liebe zu einer vermeintlichen Elbin, die er auf einem Jagdausflug fast mit einem Pfeil tötet. Auch sie verfällt dem Waldelbenkönig.
Was dieser nicht weiß: Galawien entstammt einer Sippe, die Oropher und dessen Sohn aufs Tiefste verabscheut, denn ihrer Meinung nach, beging der alte König einst großes Unrecht an ihnen.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat, wie die Auvrea-eplith behaupten? In der Gegenwart ist es an Legolas, die winzigen Puzzlestücke der Vergangenheit zusammenzufügen, denn seine Mutter ist bei seiner Geburt verstorben...
Sprache
Dieser überaus lange Text weist eine im Verlauf der Geschichte häufiger werdende Zahl an Tippfehlern auf. Viele davon sind offensichtlich und zeigen, wie empfehlenswert die automatische Rechtschreibprüfung ist(und wie oft sie von Hobby-Autoren ignoriert wird). Die Sprache selbst zeigt wiederholt stimmungsvolle Beschreibungen und Bilder, welche die Atmosphäre untermalen, aber ebenso holprige Formulierungen, die nach Feinschliff fragen(wie beispielsweise „Und diese Sorgen waren auch etwas, worüber sie sich Sorgen machte“).
Bei den Satzkonstruktionen fiel mir auf, dass man einen guten Teil der Sätze, die durch Kommas verbunden sind, einfach trennen und so die Lesbarkeit erhöhen könnte. Das würde umso besser passen, da die Autorin eine Neigung zu kurzen, prägnanten Sätzen hat- wenn diese nicht gerade mit Kommas aneinandergereiht sind. Der Stil an sich ist von eher einfacher Natur, dessen einzige Extravaganz ausufernde und manchmal widersprüchliche Beschreibungen sind(wie das „silbern schimmernde Gold“). Von diesen Kleinigkeiten abgesehen wirkte der Stil trotz seiner Einfachheit angenehm geschliffen auf mich.
Inhalt/Handlung
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Elbenprinz Legolas. Ihm wird in nicht-kanonikaler Weise eine Romanze mit einer anderen Figur des Tolkien-Universums angedichtet, nämlich Arwen. Nachdem aber das Ewige Fanfic-Gesetz besagt, dass die weibliche Heldin immer zwischen zwei gleich gutaussehenden männlichen Helden stehen muss, fügt die Autorin noch einen eigenen Charakter ein, nämlich einen Mann mit dem seltsam feminin klingenden Namen ‚Estel‘. Was die Situation mit noch mehr Fanservice anreichert, ist die Erweiterung dieses Dreiecks um die Figur des Aragorn, wie man im Verlauf sieht.
Wenn ich in dem Bereich ‚Inhalt/Handlung‘ selbige noch nicht angesprochen habe, dann liegt das an mehreren Umständen: Zuerst einmal an der enormen Länge des Texts, der einen langsamen und begriffsstutzigen Leser wie mich bis zum siebzigsten Lebensjahr beschäftigen würde. Zudem ist die Handlung ohnehin undurchdringlich wie der sprichwörtliche Oktopus aus Beton, wie mich die ersten 100 Seiten überzeugt haben. Zusätzlich hat der Plot ein für meinen Geschmack zu sehr glaziales Tempo, um mich dennoch zu interessieren.
Die ‚Struktur‘ der Geschichte ist formlos und undefiniert wie ein Schaumbad, und lädt auf diese Weise auch zum langen Verweilen darin ein. Viele Leser empfinden das Versinken darin als angenehm; ich persönlich laufe eher Gefahr, einzuschlafen und zu ertrinken. Ein amorpher Plot ohne klare Richtungsvorgabe kann durchaus funktionieren, keine Frage. In dem Fall sollte man aber besser ein großartiger Stilist vor dem Herrn sein, um auch Leser mit ADHD wie mich fesseln zu können.
Charaktere
Meine übliche Mischung aus Beschränktheit, Ignoranz und Weltfremdheit kann ich hier in Bezug auf ‚In Character‘ oder ‚Out of Character‘ nicht geltend machen. Film wie Buch des Fandoms sind mir bekannt, wenngleich das Buch eine weit zurückliegende Erinnerung an beispielgebende Durchschnittlichkeit ist und in den Filmen weit mehr passiert als in dieser Geschichte, wohlgemerkt. Aber sind denn nun die Figuren gut getroffen oder nicht?
Legolas zum Beispiel hat all die graziöse Mädchenhaftigkeit, die Orlando Bloom zu seinen fünfeinhalb Minuten Ruhm verholfen hat, das gebe ich zu. Wenngleich die Beschreibungen darin leicht inkonsistent sind: Einerseits wird er als einer der mächtigsten Krieger des Düsterwaldes etabliert, andererseits leidet er unter einer Phobie gegenüber Hirschkühen(?). Wenn das in irgendeiner Form eine Anspielung auf die Vorlage ist, liegt es wohl an meinem Alzheimer, dass ich mich daran nicht erinnere.
Arwen hingegen wird zwar ebenso als die ätherische Elbenprinzessin dargestellt, von der man nie glauben würde, dass Steven Tyler ihr Vater ist, andererseits zeigt sie in dieser Geschichte eine Sprunghaftigkeit der Gefühle, wie man es vom ursprünglichen Charakter eher nicht erwarten würde. Was sich bei ihr ebenso zeigt, ist die übliche Diskrepanz zwischen der zähen Krieger-Heldin, die sie darstellen soll, und einer Person, die nur wenige Szenen ohne Jammern und Wehleidigkeit verbringt.
Auch die Figur des Aragorn kommt vor, und mit ihm all seine Zweifel bezüglich seiner Rolle als Herrscher, gegenüber der er ähnliche Beklemmung verspürt wie ein Junge vor dem ersten Schultag in der Mittelstufe. Und ähnlich wie diesem wünscht man ihm das baldige Vorüberziehen von Pubertät und Stimmbruch… Grundsätzlich ist sein innerer Konflikt gut dargestellt, zu gut eher schon. Doch wie so oft bei der Darstellung von Figuren nicht mehr ganz jungen Alters hängt ihm auch hier stellenweise eine unpassende Emo-Strähne ins Gesicht.
Von diesen Figuren abgesehen gibt es noch ungefähr beinahe so viele Nebencharaktere wie in ‚Krieg und Frieden‘; zu viele also, um im Detail auf sie einzugehen. Es sei nur gesagt, dass sich hier ein durchaus abwechslungsreiches Ensemble an ‚minor characters‘ findet, was die Geschichte auf passende Weise abrundet und Stereotypen zumeist vermeidet. Ich kann mein Lob für die ‚weniger wichtigen‘ Nebenfiguren nur wiederholen. Mir kommt der Verdacht, dass diese vielleicht deshalb gelungener als die Hauptfiguren sind, weil die Autorin keine Absicht hatte, ihnen ausgeleierte Rollen voller monotoner Melodramatik zuzuweisen.
Sonstiges
Was mir bei dieser Geschichte besonders auffiel, war das späte Auftreten eines Grundkonfliktes. Bis die eigentliche Bedrohung etabliert wird, scheint es sich hier eher um einen Kreis wohlhabender, privilegierter Personen zu handeln, die außer ihren Klagen über ‚Unverstandenheit‘ keine echte Sorgen haben. Würde nicht im Verlauf der Geschichte eine mysteriöse Bedrohung in Form der ‚Schatten‘(Babylon 5-Anspielung?)auftreten, ich hätte sie als ‚Reich und Schön in Mittelerde‘ etikettiert. Dabei ist ein Grundkonflikt essentiell für die Kunstform des Geschichtenerzählens, ob es sich nun um Fanfiktion oder etwas anderes handelt.
Mit dem Auftreten der ‚Schatten‘ kommt endlich etwas wie Spannung in die Geschichte; ein Umstand, den die Autorin aber konterkarikiert. Man kann sich schwerlich mit einer Figur identifizieren, deren Handlungen keinen Sinn ergeben, egal ob Held oder Schurke. Wenn die unbekannten Angreifer bei ihren Überfällen manche Opfer am Leben lassen, um von ihnen ihre wichtige Forderung überbringen zu lassen, warum schneiden sie ihnen dann vorher die Hände ab? Womöglich sterben sie daran und können dann gar nichts mehr übermitteln. Daraus lernt man: Zur Schau gestellte Grausamkeit erzeugt in solchen Fällen keine bedrohlichen Charaktere, sondern vielmehr ungläubiges Lächeln über deren Planlosigkeit.
Ich könnte noch weitere Unlogik aufzählen… was ich hiermit auch tue:
Es heißt, dass diese ‚Schatten‘, wie sie genannt werden, „keine Spuren hinterlassen“- bis auf die zerstörten Ortschaften, falls man so etwas eine ‚Spur‘ nennen will.
Es heißt auch, dass sie eine „fremde Sprache“ sprechen, die niemand kennt- was die Frage aufwirft, wie sie dann eine Forderung verständlich übermitteln können?
Wenn die ‚Schatten‘ „sichergehen wollen, dass die Nachricht ankommt“, warum verstümmeln UND vergiften sie dann die Überlebenden? Solcher Overkill ist wohl eher angetan, die Wahrscheinlichkeit dafür zu verringern.
In den Filmen wird in einer denkwürdigen Szene etabliert, dass Elben von Alkohol kaum bis gar nicht beeinflusst werden. Hier hingegen ist Legolas‘ Vater Alkoholiker(was ich angesichts seines Sohns andererseits verstehen kann…).
Dazu kommt noch die unter Fanfic-Autoren verbreitete Unsitte, die Kenntnis des Fandoms und aller seiner tausend sinnlosen Details beim Leser vorauszusetzen. Das wird üblicherweise mit dem Hinweis gerechtfertigt, dass ohnehin hauptsächlich Fans die Geschichten lesen und das alles schon wissen; was wiederum aber nicht erklärt, warum Kleinigkeiten wie Häuser, welche man in den Filmen gesehen hat, genau beschrieben werden, während ‚unwichtige‘ Nebenfiguren wie Sauron nur ganz am Rand angeschnitten werden.
Übrigens: Was hat es mit den ‚Elblingen‘ auf sich? War der schlichte Ausdruck ‚Kinder‘ nicht hochtrabend genug? Das mag nur eine Kleinigkeit sein, erweckt bei mir aber düstere Erinnerungen an die OT-Version der Starwars-Prequels…
Persönliche Meinung
Zuerst einmal muss ich zugeben, dass dieses Werk meinen Respekt errungen hat. Es ist überaus lang, wurde zu Ende geschrieben und ist stilistisch ebenso konsistent wie kompetent verfasst. Allesamt Dinge, die nicht selbstverständlich sind. In ihren Bann vermochte sie mich aber nicht zu ziehen. Die Geschichte braucht einfach zu lang, um das Geschehen in Gang zu bringen und irgendeinen übergeordneten Handlungsfaden zu etablieren, der über gefühlsverwirrtes Gejammer der Hauptfiguren hinausgeht.
Überarbeitungsvorschläge
Überarbeitungsvorschläge kommen bei einer bereits fertiggestellten Geschichte etwas spät, wie ich mir bewusst bin. Ein paar will ich dennoch aufzählen: Ich bin nicht unbedingt der Meinung, dass eine Geschichte bereits auf der ersten Seite mit atemloser Action beginnen muss, um Leser zu begeistern, wie man es öfters hört. Es hilft aber enorm, wenn man im Laufe des Beginns einen Grundkonflikt etabliert, der zeigt, was die verschiedenen Figuren erreichen wollen und was sie dafür überwinden müssen. Oder, um es in der Form eines Zitats zu formulieren: "Fange so nahe am Ende wie möglich an..."
Ein weiterer Punkt wäre jener, dass häufige Perspektivenwechsel(wie hier teilweise jede Seite)es dem Leser nicht gerade leicht machen, das Geschehen zu verfolgen. Und ein letzter Punkt, der vielleicht gerade die Faszination für viele Leser ausmacht, den ich aber dennoch anführen möchte: Auch wenn die Geschichte als ‚Drama‘ klassifiziert ist, ist es deshalb nicht zwangsweise nötig, jede einzelne Figur jede Möglichkeit zum Beklagen und Jammern nutzen zu lassen. Just sayin‘.
Fazit: ‚Verliebt in Mittelerde‘. Nur länger.
Liebe Grüße,
Rahir