Einsame Lichter(Herr der Ringe)

Veröffentlicht auf von Rahir

Titel: Einsame Lichter
Hauptcharaktere: Faramir, Ealdor (OC)
Autor/in: Feael
Altersempfehlung: ab 16
Genre: Drama
Link: http://www.fanfiktion.de/s/45e5cfce00001a8b06700fa0

Kurzbeschreibung: AU: Denethor hat seine Grenzen als Statthalter des Königs überschritten und in Gondor eine grausame Diktatur aufgebaut. Als Gegner des Regimes haben es Faramir und sein Freund Ealdor nicht gerade einfach...

 

 

Sprache

 

Die Autorin ist keine Unbekannte in meinen Reviews und glänzt auch hier wieder mit routiniertem, federleicht wirkendem Stil. Dass weder Rechtschreibung noch Grammatik Grund zum Klagen geben, kommt nicht unerwartet. Stimmungen jeglicher Natur werden lebendig, aber nur selten aufdringlich geschildert, sondern mit feinfühligen, wirkungsvollen Farben gemalt. Stellenweise drängt sich anschwellende Sentimentalität in den Vordergrund, was aber angesichts der Thematik verständlich ist und auf der sprachlichen Ebene kaum kritisiert werden kann(sehr wohl auf anderen, dazu aber später mehr).

 

Inhalt/Handlung

 

Die Handlung dieser kurzen Geschichte orientiert sich unverkennbar an den Vorgängen Hitler-Deutschlands, in allem außer den Namen. Einen von Sendungsbewusstsein beflügelten Diktator, vollkommen von Spitzeln durchdrungene Gesellschaft und die eiserne Faust des Staates auf der öffentlichen Meinung gab es in vielen Gewaltherrschaften; doch die Konsequenz, mit der  diese Begebenheiten ein Land geformt haben, lassen bei dieser Geschichte nur eine Vorlage in Frage kommen. Dementsprechend sind die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß klar gezogen.

 

Im Mittelpunkt dieser ungewöhnlichen Variierung stehen die von der Autorin erdachte Figur des Ealdor sowie die bekannten HdR-Charaktere aus dem Lande Gondor. Im Grunde wird in der Handlung die Geschichte eines Helden des gewaltlosen Widerstands geschildert, der- Achtung Spoiler- für die Freiheit seines Volkes den Märtyrertod stirbt. Dieser Handlungsbogen wird gekonnt durchgezogen und durchlebt dabei alle traurigen und dramatischen Höhepunkte, kam mir darüber hinaus aber auch verdächtig bekannt vor. Doch dazu mehr unter einem der kommenden Punkte.


Charaktere

 

In dieser Geschichte findet sich das bekannte HdR-Ensemble, inklusive einiger Eigenkreationen der Autorin, darunter der Hauptdarsteller Ealdor. Er ist quasi der einsame Held im Kampf gegen das Regime von Denethor, der in diesem alternativen Universum einen Charly-Chaplin-Bart zu tragen scheint. Sein aussichtsloses Ringen wird von Einkerkerung und Folter begleitet, was mich vor allem zu Beginn der Geschichte an die literarische Erscheinung des sogenannten ‚Hurt‘ erinnert; eine Spielart, bei der die üblicherweise weiblichen Autoren bei der Vorstellung fiktiver und überaus grafischer Qualen ihrer angeschmachteten Helden abgehen. Ganz so schlimm ist es hier glücklicherweise nicht, denn seine Folterpein steht im Kontext mit dem grausamen Regime und dient somit dem Plot, anstatt bloß der Erregung der Autorin und deren Leserinnen.

 

Darüber hinaus fällt auf, dass alle Figuren sehr ‚nahe am Wasser gebaut‘ sind: Sicherlich gibt es in einem Regime wie dem geschilderten wenig zu lachen, dennoch wirkt es für mich übertrieben, dass alle Figuren bei der ersten Gelegenheit losheulen, so tragisch die Geschehnisse auch sein mögen. Am passendsten wirkt das noch bei der Hauptfigur des Ealdor, der als schöngeistiges Sensibelchen etabliert wird, dennoch aber die Qualen seiner Einkerkerung tapfer erträgt. Diese Diskrepanz steigert sich im weiteren Verlauf der Geschichte, wo er den Freitod einer Versetzung an die Kriegsfront vorzieht, da er es nicht zu ertragen vermag, andere leiden zu sehen, selbst aber übermenschliches Leidensvermögen beweist: Damit wird er zum Melodrama-Helden par excellence, was angesichts der real angelehnten Hintergründe seltsam wirkt. Andererseits wirkt solch sentimentale Heldenhaftigkeit überaus anziehend auf viele Leserinnen, und wer bin ich, ihnen das zu verderben.


Sonstiges

 

Auf den ersten Blick würde die Idee, die Bedrückung eines real dagewesenen Gewaltregimes nach Mittelerde zu versetzen, einen Punkt für Originalität verdienen. Den kann ich hier aber nur mit Einschränkung verleihen, da sich die Autorin eines Endes bedient, das sie in weitgehend identischer Form in einer anderen Geschichte verwendet, die ich erst kürzlich reviewt habe, nämlich ‚Als Iluvatar sich erbarmte‘. Die Idee des schöngeistigen Denkers, der sich für sein Volk opfert, um es seinem Stumpfsinn zu entreißen, scheint ein wichtiges Thema für sie zu sein; und in nahezu gleicher Form findet es sich hier. Was sich hier hingegen kaum findet, sind die vielschichtigen Einblicke in die persönliche Entwicklung der Figuren, welche so zentral in der vorher genannten Geschichte waren. Stattdessen sind diese mit theatralischer Sentimentalität ersetzt, was für mich persönlich bei der Erinnerung an die andere Geschichte einen etwas schalen Geschmack hinterlässt.


Persönliche Meinung

 

Eine Geschichte wie diese, in der an einem Punkt Kinder von einem panischen Mob zertrampelt werden, erhält vom Menschenfeind in mir automatisch Pluspunkte. Was mich weniger begeisterte, waren die eher nicht so subtilen Anspielungen auf das dritte Reich, die sich mit Tolkiens reaktionärer Fantasiewelt für meinen Geschmack wenig vertragen, sowie die Jesus-Metapher für den Hauptdarsteller, derer sich die Autorin zum wiederholten Male bedient. Diese Kritikpunkte finden sich in dem Bereich ‚Persönliche Meinung‘, da dem Grundgedanken die originelle Absicht nicht abgesprochen werden kann. Und gerade letzterer Punkt- das Klischee vom poetisch angehauchten Softie, der über sich hinaus wächst und als Haufen blutiger Klumpen endet- ist so allgegenwärtig im Fanfiction-Bereich, dass ich genauso den Himmel für seine Blauheit kritisieren könnte.


Überarbeitungsvorschläge

 

Mit Überarbeitungsvorschlägen tue ich mich hier schwer, und zwar aus zwei Gründen: Erstens hat die Autorin genügend Talent und Praxis, um ihre Visionen adäquat schriftlich umzusetzen, und zweitens kann man alle meine Kritikpunkte mit ‚Aber das wird doch gern gelesen‘ abtun. Um dennoch des Teufels Advokaten zu spielen, empfehle ich, das Ensemble und vor allem den Hauptdarsteller mit etwas weniger Weinerlichkeit und etwas mehr Charakter auszustatten. Alle Leserinnen, denen eine solche Entwicklung weniger gefällt, können sich ja ihre Dosis über-sentimentaler Homoerotik immer noch im ‚Supernatural‘-Fanfiktion-Bereich abholen, wo daran kein Mangel herrscht.

 

Fazit: Hitler-Regime trifft auf ‚Herr der Ringe‘, dazu ein kräftiger Schuss Melodramatik.

 

Liebe Grüße,

Rahir


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Veröffentlicht in Fanfiction_Literatur

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F
<br /> Lieber Rahir,<br /> <br /> auch für dieses Review: Danke, danke, danke! Besonders freue ich mich, dass sich endlich (!) jemand gefunden hat, der "Einsame Lichter" kritisiert. Ich habe für diese Geschichte viel Lob und sogar<br /> einen FFGA bekommen, obwohl ich sie schon lange als "mein ungeliebtes Stiefkind" bezeichne. Ich sehe hier erhebliche Mängel und empfinde es als etwas ... befremdend, für sowas auch noch einen Award<br /> zu bekommen. (Okay, mein Ego hat sich gefreut, aber irgendwie hatte es doch einen eigenartigen Beigeschmack. :/ ) Also mit anderen Worten: Deine Kritik wird mit offenen Armen empfangen! :)<br /> <br /> Aaaaah, bis auf einen Punkt: Ich bediene mich der Thematik nicht zum wiederholten Male. Das erste Kapitel von "Als Ilúvatar sich erbarmte" erschien am 11.02.2011, die Veröffentlichung von "Einsame<br /> Lichter" dagegen wurde schon am 21.03.2007 abgeschlossen. Es liegen also vier Jahre dazwischen und EL ist die ältere der beiden FFs. Es handelt sich hier also weniger um ein ständiges Wiederholen<br /> der Thematik als um ein Wiederaufgreifen einige Jahre später und den Versuch, es diesmal besser zu machen. Aber dass die Selbstopferthematik mit sehr nahe geht, stimmt schon. :)<br /> <br /> Und der Sentimentalismus ... Hach ja, Tränenpresse war für mich damals (hey, ich war kaum erst 17!) noch ein Qualitätsfaktor. Ähem. Sehe ich mittlerweile nicht mehr so. ;)<br /> <br /> Also: Vielen lieben Dank!<br /> <br /> Liebe Grüße<br /> Feael<br /> <br /> <br />
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R
<br /> <br /> Danke für die Reaktion! Und es freut mich, wenn mein Review aufschlussreich war :)<br /> <br /> <br /> Hm, von dem Zeitabstand wusste ich nichts. Ich habe mich rein nach der Reihenfolge des Einlangens im Blog gerichtet, das erklärt das natürlich. Wobei der Unterschied zwischen 'Wiederholen' und<br /> 'Wiederaufgreifen' ja eher kosmetischer Natur ist ;-) Wie dem auch sei, ich bin erfreut, dass ich deinem lange gehegten Wunsch nach ehrlicher Kritik für den Text nachkommen konnte :)<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße,<br /> <br /> <br /> Rahir<br /> <br /> <br /> <br />