'Odem' von Kailyn(Fantasy/Romanze)
Titel: Odem
Autor: Kailyn
Prosa
Original
Genre: Fantasy / Realitätsbezogene Fantasy, Romanze
Link: http://fanfiktion.de/s/4bbe1eff00013f950c90138b
Kurzbeschreibung:
Serenja Marsh verbringt die Ferien bei ihrer Tante auf den Orkney Inseln. Schnell macht sie Bekanntschaft mit Neil, einem angehenden Kryptozoologen, der ihr das Märchenreich der Inseln zeigt. Eynhallow scheint dabei der Mittelpunkt aller Mythen und Legenden zu sein. Noch immer weigert sich Serenjas Tante, über die furchtbaren Ereignisse zu sprechen, die sich einst auf Eynhallow zugetragen haben. Als Serenja dem Geheimnis auf eigener Faust nachgeht, weckt sie etwas Uraltes aus seinem Schlaf. Etwas, das sonst seinen Platz in den Sagen und Legenden alter Vorzeit findet...
Sprache
Was Rechtschreibung und Grammatik angeht, ist der Text weitestgehend fehlerlos. Einzig öfters fehlende Kommas fielen mir ins Auge. Die Satzkonstruktionen sind größtenteils schnörkellos und gut verständlich. Mir fiel der Wortschatz als angenehm umfangreich auf, ebenso die Ausdrucksweise, die sich oft gelungener Metaphern bedient. Hier allerdings orte ich eine der Schwachstellen: Die Metaphern treten manchmal so gehäuft auf, dass der Lesefluss gehemmt wird. Ich bekam den Eindruck, dass sich die Autorin stellenweise so sehr in ihrem Ausdruck gefällt, dass die eigentliche Aussage, die den Leser erreichen soll, in den Hintergrund tritt.
Dies tritt zugegebenermaßen selten auf, aber gerade deshalb disharmoniert es deutlich mit den restlichen, wesentlich klareren Passagen. Das betrifft auch Stellen, wo sich die Autorin ‚hinwegtragen‘ lässt, wenn sie beispielsweise nicht müde wird zu betonen, wie ‚märchenhaft diese Wunderwelt‘ nicht ist. Solche Passagen ließen sich leicht dämpfen und würden so den Fluss der ansonsten recht klaren Geschichte verbessern. Das Genre verträgt oder verlangt sogar zwar nach einer solchen Atmosphäre; etwas weniger wäre, was diese Passagen angeht, allerdings trotzdem mehr.
Inhalt/Handlung
Die Handlung beginnt mit einem Mädchen namens Serenja Marsh, die zu ihrer Tante auf eine der Orkney-Inseln geschickt wird. Dort widerfahren ihr mysteriöse Erlebnisse, die den Tod ihres Onkels sowie sagenumwobene Seeungeheuer umfassen. Diese Geschehnisse entfalten sich allmählich und werden von sehr atmosphärischen Beschreibungen dieser Gegend begleitet. Auch zeigt die Autorin gut recherchiertes Hintergrundwissen zu der Geschichte dieser Insel und lässt auch an anderen Stellen ihr Wissen einfließen, beispielsweise was die Haltung von Pferden betrifft. Das lockert die Geschichte angenehm auf und sorgt für Abwechslung. Davon abgesehen folgt die Handlung allen Konventionen, die LeserInnen dieses Genres erwarten, kennen und schätzen. Allzu viel mehr kann ich über den weiteren Verlauf der Handlung nicht sagen, da mir nur die ersten Kapitel vorliegen.
Charaktere
Die Hauptfiguren dieser Geschichte sind Serenja, deren Onkel vor Jahren hier verunglückte, Neil, der Sohn eines Kryptozoologen, und Arkadis, dessen äußere Erscheinung ein bizarres Geheimnis verbirgt. Die Autorin bemüht sich sichtlich, ihnen allen ein charakteristisches Auftreten zu verleihen- allerdings kommen diese drei Hauptprotagonisten kaum über ihre jeweilige genrebedingte Schablone hinaus: Serenja als menschenscheues, unsicheres Mädchen, das(wie üblich in diesen Büchern)an einen regnerischen Ort geschickt wird, wo sie über ihr von Teenager-Schwermut geprägtes Leben nachsinnen kann, Neil, dessen grobes, bauernhaftes Auftreten sie zuerst abschreckt, der aber durch sein lebensfrohes, forsches Auftreten ihre Sympathie(und vielleicht noch mehr)gewinnt, und schließlich Arkadis, dessen seltsamer Name alleine schon seinen Mittelpunkt in diesem Roman anzeigt. Er weckt Serenjas Neugier durch sein abweisendes Verhalten, was sie auf die Spur seines Geheimnisses bringt und die Handlung erst richtig in Gang setzt.
Diese Figuren sind alle recht solide dargestellt, vor allem die Hauptdarstellerin, deren Perspektive sehr detailliert wie auch glaubwürdig ausgemalt wird. Vor allem in Szenen wie die gescheiterte Bootsfahrt beweist die Autorin beeindruckende Wahrnehmungspsychologie, wenn das Meer zu einer gefühlten Gefahr für die Protagonistin wird. An anderen Stellen lässt das logische Verhalten der Figuren wiederum zu wünschen übrig, wie beispielsweise an jener Stelle, an der Neil, der sich sonst so stark von den Meeresmythen beeindruckt zeigt, sie plötzlich verächtlich als „Märchen“ abtut, nur um in der nächsten Sekunde wieder in seine frühere Begeisterung zu verfallen.
Sonstiges
Die Grundidee, die Handlung im Sagenbereich von Seeungeheuern und meeresbezogenen Mythen anzusiedeln, ist erfrischend anders und macht diese Geschichte zu einer erholsam ‚vampirfreien‘ Zone. Der Titel hingegen hinterlässt bei mir geteilte Gefühle: Einerseits spielt er durch seine Bedeutung auf die Lösung des zuerst rätselhaften Plots an, andererseits klingt er allzu sehr nach ‚Ödem‘. Eine Titeländerung wäre so gesehen zumindest anzudenken. Die Textstruktur ist tadellos und enthält ausreichend Absätze, um Unübersichtlichkeit zu vermeiden. Desweiteren ist die Zusammenfassung durchaus treffend, nur die fragwürdige Verwendung des Wortes ‚Märchenreich‘, wo diese Gegend doch zumeist alles andere als ‚märchenhaft‘ geschildert wird, sticht mir ins Auge.
Persönliche Meinung
Wie so oft bei Nachwuchsautorinnen klafft auch hier meiner Ansicht nach ein Spalt zwischen einerseits sehr solidem und streckenweise sogar sehr gutem Stil und Ausdrucksweise, und andererseits einer Thematik, die in diesem Fall durch die Einflechtung von Meeresungeheuern zwar etwas an Originalität gewinnt, davon abgesehen aber sehr vorhersehbar abläuft. In Anbetracht der Zielgruppe, für die diese Autorin schreibt, ist das nur zu verständlich und auch gewollt. Diese Zielgruppe wird sich sicher mit der Protagonistin und ihrer Gefühlswelt gut identifizieren können. Ebenso werden sie alle von ihnen geliebten Elemente finden, wie das unvermeidliche Dreieck zwischen Protagonistin/zugänglichem love-interest/abweisendem love-interest und der Rivalität zwischen den beiden. So gesehen bietet diese Geschichte nichts wirklich Neues, dafür aber in diesem Genre Bewährtes, und das durchaus gut aufgearbeitet.
Überarbeitungsvorschläge
Zu Verbessern gibt es hier wenig. Sowohl die Ausdrucksweise als auch die recherchierten Hintergrundfakten, die hier durchscheinen(unter anderem die meeresbezogene Mythologie, die geografischen Details sowie Einzelheiten über Pferdehaltung), sind allesamt fundiert und solide. Die Charaktere lassen ebenfalls wenig zu wünschen übrig, was den Spielraum innerhalb ihrer Genremauern betrifft. Einzig die Dialoge wirken stellenweise holprig und sollten noch etwas mehr Ähnlichkeit mit realen Dialogen bekommen.
Liebe Grüße,
Rahir