Auralon ~ Schatten der Freiheit(Original/Fantasy)
Titel: "Auralon - Schatten der Freiheit"
Autor: Mikey
Stil: Prosa
Art: Original
Genre: Fantasy
Link: http://www.fanfiktion.de/s/4ce4628000015bfb0c90138a
Kurzbeschreibung des Autors: Was würdest du tun, wenn du eines Morgens plötzlich an einem völlig fremden und unheimlichen Ort erwachen würdest, ohne die geringste Ahnung, wie und warum du in diese Situation kamst? So ergeht es fünf völlig unterschiedlichen Menschen, die sich inmitten eines völlig abgestorbenen und toten Waldes wiederfinden. Sie wissen weder ein noch aus, doch eines ist gewiss: Sie wollen wieder nach Hause. Getrieben von der Furcht vor dem Unbekannten und dem Grauen, das sie umgibt, beginnt für die Gruppe eine Reise ins Ungewisse - in eine Welt, die weit größer und komplexer ist, als sie zunächst zu sein schien.
Sprache
Die Sprache ist ein mit ungewöhnlichen Ausdrücken gespicktes Deutsch, das manchmal leider etwas bemüht wirkt. Bis auf Verwechslungen von „wie“ und „als“ sind Grammatik und Rechtschreibung größtenteils tadellos. Manchen Passagen merkt man leider an, dass der Autor beim Schreiben etwas Mühe hatte.
Des Weiteren neigt er zu Ausdrücken wie „Der Braunhaarige wandte sich um“, obwohl der Name der Person bekannt ist. Man kann es Geschmackssache nennen, ich nenne es ein No-Go. In Kapitel 1 verwendet er außerdem den Ausdruck „seine softe Stimme wurde noch etwas weicher“ (sinngemäß wiedergegeben)- Anglizismen sollten vermieden werden, erst recht, wenn der Text sich den Anschein des altertümlich Angehauchten gibt.
Gerade zu Beginn wirken die kursiv eingeblendeten Gedanken des jeweils handelnden nicht wie Gedanken, sondern sind zu ausformuliert, klar und präzise für die Situation. Der sich zu Anfang häufende Perspektivwechsel ohne Vorwarnung erschwert eine Identifikation mit den Protagonisten sehr. Durch die Aufspaltung der Gruppe wird dies jedoch zuerst einmal auf ein erträgliches, nicht länger verwirrendes Maß gesenkt.
Die Kleidung der Personen wird für meinen Geschmack zu ausführlich beschrieben- es ist nicht notwendig, dem Leser mitzuteilen, dass Zachary ein T-Shirt mit Totenkopfaufdruck, einen Nietengürtel...etc. trägt. Das kann man sich eh nicht merken und es ist ein Anfängerfehler, der mich in einer mit Bedacht überarbeiteten Geschichte überrascht.
Umgebungsbeschreibungen und Beschreibungen fremdartiger Wesen sollte der Autor von unabhängigen Personen noch einmal lesen lassen- ich fand es teilweise zu mühsam, mir die fremde, fiktive Welt vorzustellen und da ich dabei sonst keine Probleme habe, hat es meinen persönlichen Lesefluss gebremst. Ich glaube, in diesem speziellen Fall, ist weniger manchmal mehr. Die Mûll könnte man als „riesige, lange Wesen mit braunem, zottigem Fell und zahnlosen Mäulern“ beschreiben und der Leser bildet sich sein eigenes Bild- dass das u.U. etwas von dem des Autors abweicht ist der Nervenkitzel, der Buch und Film so gravierend unterscheidet.
Ich muss sagen, irgendwie musste ich nämlich:
„Die Mûlls waren riesige Wesen, Haushoch und einige Meter lang. Ihr gesamter Körper war von einem zotteligen Fell bedeckt, das in verschiedenen Brauntönen in der Sonne glänzte. Der Kopf war rund, die Augen waren so gut wie von den Haaren verdeckt, eine große, schweineartige Nase, sowie ein noch größerer zahnloser Mund nahmen ihnen teilweise die abschreckende Wirkung. Die Beine wirkten unter den langen Zotteln kurz und dicklich, ebenso wie der Rest des Körpers. Auf jedem der Mûlls war eine kleine Holzbaute angebracht, die an Kutschenhäuser erinnerten und die durch Strickleitern erreicht werden konnten. Am Übergang zwischen Körper und Hals saß jeweils ein Mann, der die wuchtigen Geschöpfe lenkte.“ zweimal lesen, bis das Bild vor meinen Augen erschien.
Jedenfalls, dort kann der Autor ruhig knapper bleiben, denn der Kopf des Lesers formt bessere Bilder, als die Worte eines Autors jemals könnten, wie Trovia einmal treffend schrieb.
Ich empfehle ihr Essay zu gut geschriebenen Kampfszenen, um die Kämpfe, für gewöhnlich aus der Sicht eines einzelnen geschildert, besser darstellen. Denn der einzelne Kämpfer hat immer nur einen Teil des Kampfes im Blick, was der Autor zu beschreiben versuchen muss. Im Moment sind die Kämpfe nämlich eindeutig zu konfus, was durch definitiv fehlende Absätze noch verstärkt wird.
Inhalt/Handlung
Zachary, Danny, Sara, Rita und Joe begegnen sich das erste Mal in einem Steinkreis inmitten einer verdorrten Einöde, um sie herum ein seltsamer Steinkreis. Sie wissen nicht, wie sie hierher kommen, noch, wo „hier“ überhaupt ist. Zum Teil tragen sie noch Schlafkleidung, wie der Autor besonders im Fall von Sara nicht müde wird, zu betonen. Sie beschließen aufzubrechen und bald bilden sich die Grüppchen Joe und Rita- beide etwas älter und etwas kräftiger, Danny und Sara- beide jung und gut aussehend, sowie Zachary- misanthropisch und sarkastisch- heraus.
Sie stoßen auf einen Bachlauf und nach einigen Tagen des Hungers auch auf den Beginn des fruchtbaren Landes. Nachts werden sie angegriffen von einer geheimnisvollen Gruppe Fremder. Zachary wird niedergeschlagen, Sara und Danny, sowie Rita und Joe, gelingt eine Flucht, welche aus der ehemals geeinten Gruppe nun drei macht. Während Danny und Sara sich rasch näher kommen und von einer Gruppe Soldaten im Dienste Auralons als „Auserwählte“ aufgesammelt werden, landen Joe und Rita bei kleinen Geschöpfen und werden als „Boio“ verehrt.
Zachary schließlich landet bei den Carnûm, eben jenes Volk, das die Gruppe angegriffen hat. Die unmenschlichen starken Wesen machen ihn zu ihrem Herrscher, nachdem er eine Art magischen Test bestanden hat- auf Provokation mit unbewusster Magie zu reagieren.
So sind die Erdlinge also auf die drei Parteien des Krieges verteilt, welcher in jener fremden Welt stattfindet.
Der Handlung ist, trotz einer gewissen Komplexität, sehr gut und einfach zu folgen. Ein roter Faden lässt sich heraus lesen- der Krieg in jener fremden Welt und dessen Ausgang, sowie das plötzliche Auftauchen der Menschen. Ausgeschmückt wird die Handlung durch diverse, sich anbahnende Romanzen. Nur die Atmosphäre an sich möchte noch nicht recht beim Leser aufkommen, was schade ist, denn das verhindert ein gespanntes, durchgängiges Lesen.
Charaktere
Leider musste ich bereits in Kapitel 2 feststellen, dass der Autor sich sehr auf Stereotypen stützt. Im Moment stört mich die Charakterisierung zusammen mit den fehlenden Absätzen am meisten. Die Stereotypen sind mir zuerst bei Joe aufgefallen: geschwätziger, besserwisserischer, ältlicher, dicker Amerikaner: früher war alles besser, in seine Jugend hätte es das nicht gegeben, sein wundervolles Modellbau Geschäft- ich denke, mein Punkt wird deutlich.
Der zweite Teil des „dummes, amerikanisches (Ehe)paar an Touristen“ ist Rita, die er in jenem Fall zwar gerade erst kennen lernt, die jedoch sehr farblos bleibt, ja und Amen sagt und über ihr Übergewicht definiert wird. Die Krönung dieser Überzeichnung ist die erste Begegnung mit ihren kleinen Rettern: diese werden als Schlümpfe, Pumuckl etc. bezeichnet, als die beiden sich unterhalten. Ich finde diese Szene sehr unpassend, respektlos und nicht einmal ansatzweise lustig. Slapstick und Überzeichnung des Charakters funktioniert in der Literatur nicht, wenn es sich um zwei der Protagonisten handelt.
Dann gibt es natürlich auch Sara und Danny: jung, schlank, sportlich, gut aussehend, entdecken schnell ihre Gefühle füreinander.
Saras Rolle ist es bisher, den Beschützerinstinkt der Männer zu wecken, in ihrem knappen Nachthemd gut auszusehen und unpassende Lachanfälle zu haben (ja, der in Kapitel 3 war seltsam und unpassend).
Sie und Danny sind ein paar kleine Lästerschwestern, wobei Danny sich sofort zum Held und Kämpfer mausert, als sie eine Waffe finden, die als Gewehr und durch Transformation als Schwert dienen kann. Eigentlich ziemlich coole Idee, aber dass Danny damit sofort kämpfen kann, als der Trupp, er sie nach Auralon begleitet, angegriffen wird... Er ist wie Harry Potter, nur ohne die zahlreichen Fehler, die jenen menschlich machen. Gestatten? Mary-Sue und Gary-Stu von und zu Unerträglichkeitshausen.
Bleibt als fünfter Hauptcharakter noch Zachary... Was soll ich sagen? Ich habe ja die ganze Zeit Colin Morgan in der Doctor Who Episode „Midnight“ vor Augen- zumindest optisch. Wer nicht weiß, wer Colin Morgan ist, sollte sich erst schämen und ihn dann googlen- einmal ohne, einmal mit Zusatz „doctor who“ in der Google Bildersuche.
Allerdings enden da auch schon die Gemeinsamkeiten. Denn Zachary bekommt alle Fehler, die Danny und Sara vielleicht ganz gut tun würden, ab: arrogant, einzelgängerisch, herablassend, aggressiv. Dass ihn die „Bösen“ finden und er gruselige, rote Zauberkräfte hat, macht es nicht besser. Er ist schrecklich unsympathisch, ein kleiner Draco Malfoy.
Ja, wenn all diese Personen Nebencharaktere wären, hätte ich nichts an ihnen auszusetzen. Im Gegenteil: sie würden einfach ihre Funktion erfüllen. Da sie jedoch Protagonisten sind und wir das Geschehen aus ihrer Perspektive erleben, sind sie schwer verträglich. Das hat mir das Lesen leider sehr vermiest.
Sonstiges
In Kapitel 5 verliert der Hauptmann offensichtlich seinen Sohn. Vielleicht habe ich ja zu viele Filme gesehen und Harry Potter Fanfiction gelesen, aber ich finde es sehr unrealistisch, dass er dermaßen die Beherrschung und Fassung verliert, rumschreit und unfair wird.
Meinetwegen soll er trauern und leiden. Aber die Art und Weise, wie er es tut, noch dazu, da er Anführer einer ausgezeichnet trainierten Kampfeinheit ist...
Absätze. Bitte!
Die Gefühle sind schwer nachzuvollziehen. „Show, don't tell!“
Bsp.: Als Zac zum ersten Mal erwacht bei jenen fremden Wesen, kommt jener alte Mann, dem er eine Tracht Prügel mit dessen Herzschrittmacher androht. Diese Reaktion wirkt total überzogen, aggressiv und unnötig, zumindest für mich als Frau.
Hätte der Autor beschrieben, wie sein Puls raste vor Nervosität, Erregung, Verwirrung, Wut und riesiger Angst- ich hätte einen gewaltsamen Gefühlsausbruch zwar nicht verstehen, aber nachvollziehen können. So wirkt er einfach nur übertrieben.
Persönliche Meinung und Verbesserungsvorschläge
Obwohl ich jetzt sehr viel kritisiert habe, halte ich die Storyidee für sehr interessant und neuartig, mag ihre Komplexität und auch die Länge der Kapitel. Nur meine oben angesprochenen Kritikpunkte haben das Lesen zeitweise sehr erschwert:
- Identifikation schwer möglich, da kaum Beleuchtung des Innenlebens
- fehlende Absätze!
- überspitzte Charakterisierung
Wenn der Autor sich seine Überarbeitung noch einmal vornimmt, kann, meiner Meinung nach, eine gute, komplexe und spannende Geschichte entstehen, deren Stil den Leser anspricht und die ihn mitfiebern lässt. Im Moment ist all dies nur leider verschüttet von den negativen Aspekten.
Mit freundlichen Grüßen,
Nellas