"Angelguy" von Miyaca
Titel: Angelguy
Autor: Miyaca
Genre: Prosa, Orginal, Fantasy
Status: unvollendet, bisher 10 Kapitel
Link: http://www.fanfiktion.de/s/45b3a815000032320c901388
Kurzbeschreibung: Jaromir ist fassungslos. Ausgerechnet er soll dem Feuergott geopfert werden, um die unvernmeidliche Katastrophe abzuwenden. Jaromir beginnt an seiner Religion zu zweifeln und macht sich auf die Reise, um Antworten zu finden, um vielleicht sogar doch noch sein Schicksal abzuwenden. Auf seiner Reise rettet Jaromir Vincent, einem Sklaven aus einer Kohlemine, das Leben, der aufgrund seiner Religion bei ihm bleiben muss, bis er Jaromir ebenfalls das Leben retten kann. Jaromir beginnt sich zu fragen, woran er glauben soll. Und dann bleibt da immer noch sein Vetter, der es gar nicht erwarten kann ihn brennen zu sehen.
Sprache
Immer wieder finden sich fehlende oder überzählige Kommas. Ein Verinnerlichen der Kommaregeln sei der Autorin ans Herz gelegt. Ebenso fallen mir die doch häufigen Tippfehler auf, die darauf schließen lassen, dass der Text noch nicht Korrektur gelesen wurde. Im Interesse aller Leser empfehle ich der Autorin, ihre Texte betalesen zu lassen, da die Tippfehler bereits in der Kurzbeschreibung beginnen, was von Haus aus keine gute Visitenkarte ist.
Die Grammatik ist meist fehlerfrei. Es fällt mir aber negativ auf, dass die Autorin oft unnötig komplizierte Sätze bildet, die dann hölzern klingen und zeigen, dass sie in einer komplexen Sprache nicht sattelfest ist. Man spürt, wie sie versucht, über blumige Formulierungen Dramatik zu erzeugen, meist klingt dies aber eher steif und unpassend, anstatt den gewünschten Effekt zu erzielen. Dann gibt es wieder gelegentlich Sätze aus nur ein oder zwei Worten. Wünschenswert wäre es, ein Mittelmaß zu finden und dieses erst entsprechend zu entwickeln, anstatt unausgegorene Satzkonstruktionen zu bilden.
Der Autorin kann man zugute halten, dass etwa ab dem 7.Kapitel eine Verbesserung der bis dahin ziemlich hölzernen Ausdrucksweise stattfindet. Die Übung macht sich von da an positiv bemerkbar.
Inhalt/Handlung
Die Handlung bezieht religiöse Themen ein, wie eben den Feuerkult, welchem die Hauptfigur angehörig ist, ebenso die Art und Weise, wie andere Völker zu dieser ihnen fremden Religion stehen. Leider verkümmern diese Themen im Ansatz, soweit man das aus der bisherigen Geschichte sehen kann. Immer wieder wird Bezug auf diesen Feuerkult genommen, ebenso wie auf weitere Religionen, die es in dieser Welt gibt. Diese Bezugnahmen sind aber allesamt eher dürftig und lassen den Eindruck entstehen, die Autorin hat sich selbst kein rechtes Bild von diesen Kulten gemacht. Oder sie hat einfach versäumt, diese Hintergrundinfos entsprechend einzuweben.
Ein weiteres wichtiges Thema in dem bisherigen Verlauf sind die Schuldgefühle von Jaromir. Es wird erklärt, dass für den Feuergott regelmäßige Menschenopfer nötig sind, und dass eben Jaromir in seiner Kindheit schon als Opfer vorgesehen war. Doch aus irgendeinem Grund wurde diese Opferung verschoben und soll eben erst in der Jetztzeit, zehn Jahre später, stattfinden. In der Zwischenzeit wurde jedes Jahr ein anderer Mensch an seiner Statt geopfert, und genau das belastet ihn. Was allerdings unlogisch ist: diese Leute wären sowieso geopfert worden, vor ihm oder nach ihm. Dieser Widerspruch wird jedoch nicht erwähnt, ebenso wenig, wer überhaupt die Opfer bestimmt. Es wäre menschlich einleuchtend, dass sich sein Groll eher gegen eben jene Person richtet, die diese Opfer bestimmt, in welchem Namen auch immer. Das wird aber gar nicht erwähnt.
So interessant die Themen sind, sie stehen auf sehr unsicheren, sprich unlogischen Füßen. Eine bessere Plotplanung hätte dies verhindern können.
Was auch auffällt, sind die ziemlich sparsamen Umgebungsbeschreibungen. Mehr Worte darüber, wie die Schauplätze und die Figuren aussehen, würden nicht schaden.
Charaktere
Die Hauptfigur, Jaromir, ist auch das Hauptmanko der Geschichte. Er wirkt ziemlich inkonsistent. Beispielsweise trägt er immer ein Schwerterpaar mit sich, hat aber nach seiner eigenen Aussage „keinerlei Wissen über das Versorgen von Wunden“. Und wohl auch genauso wenig über das Zufügen, denn gleich darauf findet sich die Aussage „Normalerweise kann man auch jeden Konflikt friedlich lösen.“ Nachdem sich auch in der restlichen Geschichte kein Hinweis findet, dass er mit seinen Schwertern etwas anfangen kann, erscheint seine Bewaffnung als reines Gimmick, so nach dem Motto ‚die Hauptfigur einer Fantasy-Geschichte MUSS ein Schwert haben.‘
Wesentlich besser gelungen ist da die zweite Hauptfigur der Geschichte, ein gewisser Bonifatius. Seine Berufung als weitgereister Geschichtenerzähler kommt glaubwürdig rüber, ebenso sind seine altklugen Sprüche immer wieder sehr auflockernd. Im Gegensatz zur Hauptfigur besitzt er Facettenreichtum, die ihn als lebendiges Individuum erscheinen lassen, nicht so wie Jaromir, dessen Persönlichkeit fast ausschließlich durch Gedankengänge voller selbstmitleidigem Gejammer definiert wird.
Eine wichtige Rolle spielt noch eine Figur namens Vincent, die im weiteren Verlauf der Geschichte von der Hauptfigur aus der Sklaverei gerettet wird. Diese Figur gibt sich geheimnisumwittert und wirkt, als hätte sie das Potential, ein interessantes Element in die Handlung zu bringen, was seine Verbindung zur Hauptfigur betrifft. In dem Umfang, wie die Geschichte im Moment vorliegt, hatte diese Figur aber noch nicht genügend Auftritte, um das genauer zeigen zu können.
Sonstiges
Die Grundidee, religiöse Themen und deren Hinterfragung, ist zwar sehr gelungen, doch wird in der momentan vorliegenden Fassung diese Idee noch zu wenig vertieft. Der Titel „Angelguy“ klingt nicht nur grotesk, er scheint auch nicht das Geringste mit der eigentlichen Geschichte zu tun zu haben. Bis jetzt kamen keine Engel vor, und auch keine ‚Kerle‘(‚Guys‘ eben), die engelhaft wären.
Zu der Strukturierung ist nicht allzu viel zu sagen, außer dass die Autorin mit Absätzen sehr sparsam umgeht. Hier würde ein mehr an Absätzen das Lesen einfacher machen.
Persönliche Meinung
Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive sowie in der Gegenwartsform verfasst. Eine sehr ungewöhnliche Wahl; es kommt die Frage auf, warum sich die Autorin so entschieden hat. Ohne damit den Inhalt und die Qualität berühren zu wollen: so bekommt diese Geschichte einen von Haus aus unglücklichen Klang, der an einen Schulaufsatz erinnert. Diese Feststellung ist unabhängig vom Inhalt, der sicherlich besser als ein normaler Schulaufsatz ist.
Die Identifikation mit der Hauptfigur fällt zumindest mir persönlich schwer; beinahe alle inneren Monologe, welche für das Charakterbild wichtig und prägend sind, handeln von Selbstmitleid und Angst vor dem Sterben. Verständlicherweise nimmt dies großen Raum in seinem Denken ein, aber es fehlen einfach noch andere Charakterzüge, um ihn als ‚lebendige‘ Figur ernst nehmen zu können. Eine der wenigen Gelegenheiten, wo sich eine seiner Erinnerungen nicht um seine geplante Opferung dreht, ist eine Rückblende in seine Kindheit. Bei dieser fällt auf, dass sie im Text von den Wörtern „Flashback“ und „Flashback Ende“ eingerahmt wird. Alleine die Erwähnung in diesem ‚Flashback‘, dass die Hauptfigur nun 10 Jahre alt ist, macht klar, dass diese Szene in der Vergangenheit spielt. Diese Markierung ist also unnötig.
Überarbeitungsvorschläge
Das größte Manko vermute ich in der unausgegorenen Planung. An vielen Stellen wirkt es, als würde die Autorin spontane Einfälle einarbeiten, was nicht grundsätzlich falsch ist. Ein Problem wird es, wenn einem das als Leser ins Auge sticht.
Ein Betaleser wäre sehr anzuraten. Es gibt viele Tippfehler, die den Lesefluss hemmen und bereits in der Kurzbeschreibung beginnen. Ähnlich verhält es sich mit den Kommas, die des Öfteren fehlen.
Der Hauptfigur, Jaromir, fehlt es an Vielschichtigkeit, im Gegensatz zu Bonifatius, einer weiteren Figur, die wesentlich besser gelungen ist. In erster Linie liegt das an den inneren Monologen der Hauptfigur, die immer nur ein einziges Thema haben. Innere Monologe sind ein sehr gutes Stilmittel, um Charaktertiefe zu schaffen. Dafür sollten sie aber eine Entwicklung schildern oder eine Erkenntnis der Figur zeigen, aber nicht immer nur eine Gefühlsregung monoton wiederholen.
Generell kann ich der Autorin nur folgende Regel empfehlen: jede Szene in einer Geschichte sollte
a) Charakter vertiefen,
b) die Handlung vorantreiben oder
c) dem Leser für das Verstehen der Handlung wichtige Information liefern.
Trifft nichts von diesen drei Eigenschaften zu, so sollte die entsprechende Szene entweder umgeschrieben oder gestrichen werden.
Liebe Grüße,
Rahir