"Immortal" von Kitshipper
Autor: Kitshipper
Titel: Immortal
Serie: Original
Genre: Mystery
Status: Vollendet
Zusammenfassung des Autors: Seit nunmehr vierhundert Jahren herrscht zwischen dem Hohen Rat der Vampire und den Vertretern der Menschen, die sich Orden des Weißen Schwans nennen, ein Friedensabkommen.
Diese Idylle wird jedoch getrübt mit dem Auftauchen des Abtrünnigen Vampirs Marius, der der letzte Älteste unter den Vampiren ist. Er beißt und verwandelt die 20-jährige Kira, die sich seitdem in einem Strudel aus Verrat, Verfolgung und okkulten Praktiken wiederfindet. Denn sowohl die Vampire, als auch die Jäger sind sich sicher, dass Kira eine der legendären 'Lilien' ist […]
Link: http://www.fanfiktion.de/s/497db8060000be420c902ee0
Sprache
Rein sprachlich ist die Geschichte auf hohem Niveau, die Autorin weiß mit ihrem Handwerkszeug umzugehen. Die Grammatik wird sicher beherrscht, Flüchtigkeitsfehler sind kaum zu entdecken und stören das Lesevergnügen absolut nicht. Die Beschreibungen sind immer sehr detailreich, aber nicht so übermächtig, dass sie die Erzählung überschatten. Genau richtig also.
Inhalt
Zum Inhalt kann ich nur sagen, dass sich mir hier eine sehr spannende und vielschichtige Geschichte auftut. Die Autorin hat großes Talent dafür, komplexe Zusammenhänge darzustellen. Die Gesellschaft der Vampire ist sehr schön mit der der Menschen verzahnt worden; sie sind nicht nur Außenseiter am Rande der Gesellschaft, sondern ein eigenes ‚Volk‘, das in dieser Welt handelt und auf sie einwirkt. Diese Wechselwirkungen und Beziehungen waren sehr gut und glaubhaft dargestellt.
Das Tempo der Geschichte ist teilweise ziemlich rasant, wodurch keine Langeweile aufkommen kann. Ein Ereignis jagt das Nächste und als Leser ist man mittendrin. Die Geschichte hat neben all der Action aber auch tiefergehende Aspekte, nämlich das Zusammenleben von Vampiren und Menschen. Kira findet sich in einer Welt voller Vorurteile wieder und muss nun einen Platz darin finden, wobei sie weder von den Vampiren noch von den Menschen angenommen wird. Dieses Thema ist potenziell sehr interessant und auch wichtig; und das greift die Autorin auch auf.
Charaktere
Die Autorin ist sehr bemüht darum, ihren Charakteren ein Gesicht und eine Vergangenheit zu geben. Und das schafft sie auch. Alle Personen bewegen sich natürlich und ihre Handlungen sind größtenteils nachvollziehbar. Jeder von ihnen hat eigene, kleine Eigenheiten, die sie nur noch realistischer machen. Die Vampire sind teils modern und passen sich an die Menschen an, teils auch sehr zurückgezogen und altmodisch, was sehr gut zu ihrem unterschiedlichen Alter und Persönlichkeiten passte.
Auch die Protagonistin Kira ist eine sehr individuelle Person mit vielen Facetten. Was mir allerdings nicht gefiel, war der Anfang der Geschichte, in dem sie vorgestellt wurde. Zuerst erlebt man sie bei ihrer Wandlung als ganz normales, wenn auch etwas aggressives Mädchen. Dann springt man auf einmal drei Monate vor und findet an ihrer Stelle ein blutrünstiges Monster wieder. Diese urplötzliche Verwandlung machte es mir extrem schwer, mit Kira wieder warm zu werden. Ihrer Vergangenheit sowie ihrer Familie widmet die Autorin dabei keine drei Sätze, wonach das Thema offensichtlich komplett abgeschlossen zu sein scheint, was vor allem gegen Mitte der Erzählung klar wird, als Kira mitteilt „sie hätte sich damit abgefunden“. Auch ihr Umgang mit Blut, unzähligen Morddrohungen und dem Töten scheint anfangs mühelos zu sein und erst mit dem Fortschreiten der Erzählung erlangt sie einige ‚menschliche‘ Eigenschaften wieder. Dadurch wurde sie dann für mich wieder viel greifbarer.
Sonstiges
Obgleich die Autorin es sehr gut versteht, Informationen vorzuenthalten und Schritt für Schritt in die Handlung einzustreuen, hat sie direkt am Anfang der Geschichte genau das unsinnig gemacht. Sie hat nämlich eine Inhaltübersicht von mehr als der Hälfte ihrer Geschichte geliefert, alle wichtigen Details direkt zum Nachlesen sozusagen. Damit nimmt sie dem Leser die Spannung direkt wieder weg, die ihre Erzählung ansonsten so wunderbar erzeugen würde. Ich bin jetzt bis zur Hälfte des Romans gelangt und habe trotzdem noch nicht alles gelesen, was sie schon am Anfang enthüllte.
Der zweite kleine Makel ist die ‚wissenschaftliche‘ Grundlage, auf der sich dieser Roman bewegt. Offensichtlich versucht die Autorin, das Funktionieren eines Vampirs wissenschaftlich zu erklären. Eigentlich sehr lobenswert, aber diese Erklärung steht auf recht wackeligen Füßen. Sie sagt unter anderem, dass alle außer den ‚reinen Vampiren‘ Untote sind, aber trotzdem werden gerade im Zusammenhang mit diesen Untoten die Wörter ‚Evolution‘ und ‚Rasse‘ genannt. Wie soll man denn Erbgut weitergeben, wenn man sich nicht geschlechtlich fortpflanzt? Und warum entwickeln sich gerade die reinen Vampire nicht weiter, die man ja als eigene Rasse bezeichnen könnte? Sehr witzig fand ich vor allem, dass Kira als neugeschaffener Vampir zwar keine Ahnung von gar nichts hatte und auch keine besonderen Fähigkeiten besaß, aber dafür nach einmal Schnuppern die Blutgruppe AB negativ erkennen konnte. Unglücklicherweise war das nicht als Witz, sondern vollkommen ernst gemeint.
Dass zusätzlich zu diesen Erklärungen dann lauter Zauber und Dämonen-Beschwörungen ins Spiel kamen, machte das Ganze in meinen Augen noch unsinniger. Warum die Existenz des Vampirs nicht anstatt halbgarer Pseudo-Wissenschaft mit Magie erklären, wenn man sie sowieso einbringen wird?
Fazit
Trotz grundsätzlicher logischer Ungereimtheiten ist diese Erzählung wirklich spannend und sehr interessant. Die Autorin greift das eigentlich schon ziemlich abgenutzte Vampir-Thema auf eine sehr erfrischende Art und Weise auf, die keineswegs langweilig ist. Und wenn man die riesig lange Kurzbeschreibung nicht ganz durchliest, dann wird man auch das ein oder andere Überraschungsmoment erleben.
Überarbeitungsvorschläge
Die Kurzbeschreibung sollte wirklich nur eine Kurzbeschreibung sein und das Thema und den Inhalt anschneiden, nicht komplett abarbeiten. Eben ein Appetitanreger, der nicht zu viel enthüllt. Ansonsten braucht man die Geschichte ja nicht lesen.
Und wenn man etwas schon wissenschaftlich erklären will – was eigentlich eine sehr gute Idee ist-, dann sollte man das richtig machen und keine halbgaren Ansätze liefern, die auf den zweiten Blick unlogisch sind und nicht zueinander passen. Das beißt sich vor allem auch mit dem Magiethema, das auch eingebracht wird. Vampire sind eben Fantasiewesen und Einiges KANN man nicht mit Chemie und Physik erklären; zumindest nicht so einfach.
Liebe Grüße
Smailii1805