Three Months with Michael Jackson(Musik)
Titel: Three Months with Michael Jackson
Autor: 2Illuminatis
Prosa oder Poesie: Prosa
Fandom / Original: Fandom
Genre: Musik/Michael Jackson
Link: http://www.fanfiktion.de/s/4abf8c370000eb1806d00bce
Zusammenfassung: Alessa hat bei einem Wettberwerb teilgenommen und den Hauptgewinn abgeräumt: Sie darf drei Monate in das Leben des Michael Jackson reinschauen. Dieser ist am Anfang überhaupt nicht begeistert davon, jedoch ändert sich dies, als Alessa ein paar Tage dort ist.
Spaß ist vorprogrammiert, doch dieser zieht auch Schattenseiten nach sich!
Sprache
Was die Punkte Rechtschreibung und Grammatik angeht, ist dieser Text annähernd makellos und wurde entweder gewissenhaft überarbeitet oder überhaupt in erster Linie so geschrieben(mit Ausnahme des Ausrutschers in der Kurzbeschreibung), was natürlich noch lobenswerter ist. Eine Ebene tiefer, also im sprachlichen Bereich, setzt sich diese Sorgfalt fort, auch wenn sie hier etwas in das Leblose, allzu Glatte übergeht. Am auffälligsten ist hier noch die präzise Beobachtungsgabe der Autorin, die sie alltägliche Vorgänge mit Klarheit und Lebendigkeit beschreiben lässt. Leider endet die Lebendigkeit im Ausdruck gerade hier.
Alles Weitere wird eher mechanisch aufgelistet: Die Emotionen der Hauptfigur, die Geschehnisse um sie herum sowie die Nebenfiguren. Nur selten, beispielsweise in den Traumsequenzen, erlaubt sich die Autorin eine farbenreichere Ausdrucksweise. Auf der positiven Seite macht das den Text sehr flüssig lesbar und einfach verständlich; auf der anderen Seite fehlt ein bisschen die Raffinesse, um einen anspruchsvolleren Leser über die doch lange Textdauer bei der Stange zu halten, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Geschichte laut Autorin vorerst unvollendet bleibt.
Inhalt/Handlung
Die Handlung wird in der Kurzbeschreibung recht treffend wiedergegeben, weshalb keine weiteren Erläuterungen zu den bloßen Eckpunkten nötig sind. Festhalten kann ich nur, dass die Geschichte einem altbewährten Rezept folgt: Es ist das ‚Beliebtestes-und-schönstes-Mädchen-der-Welt-trifft-ihr-Idol-und-die-beiden-verlieben-sich-unsterblich‘-Rezept und auf Fanfiktion-Seiten ungefähr so häufig anzutreffen wie Sandkörner in der Wüste. In diesem Fall geht es um den vor zwei Jahren verblichenen Michael Jackson. Dabei wird auf treffende Weise Bezug auf die Einsamkeit, die das Star-Leben mit sich bringt, genommen, ebenso auf das Peter-Pan-Syndrom, das diesen Künstler auszeichnete. Beides findet in der Handlung lebendigen Ausdruck.
Die Autorin führt gleich zu Beginn ihrer Geschichte eine Art Disclaimer an, wonach niemand die Geschichte zu lesen braucht, der so etwas nicht ausstehen kann(gilt das auch für schnippische Internetreviewer wie mich?), daher werde ich meine rein persönliche Ansicht so weit als möglich zurückschrauben. Jedenfalls konnte ich feststellen, dass das oben genannte Konzept in diesem Fall recht gekonnt und routiniert ausgearbeitet wird. Leserinnen, die solche Geschichten mögen, finden einen überdurchschnittlich gut geschriebenen Vertreter dieser Spezies, dessen einziges Manko die Unvollendet-heit bleibt. Somit fehlt auch ein abschließendes Geschichtenende, was die Handlung natürlich um einen wichtigen Teil beraubt.
Charaktere
Hier haben wir es mit dem Paradebeispiel einer Mary-Sue zu tun, was die Hauptfigur der Alessa Martens angeht. Eigenschaftswörter wie ‚unglaublich‘ und ‚unbeschreiblich‘ in Verbindung mit einer Personenbeschreibung lassen schon von Anfang an keinen anderen Schluss zu. Ich persönlich warte nach solchen Beschreibungen immer auf die entwaffnende Ironie, aber diese blieb wenig überraschend aus. Im weiteren Verlauf gibt sich die Autorin zwar die Mühe einer glaubhafteren Charakterisierung, wie beispielsweise die Erwähnung ihrer heimlichen Angst vor Gewitter. Doch eine derartige Einleitung, die ich weiter unten im Original wiedergegeben habe, verurteilt derartige Bemühungen zum Scheitern. Da hilft auch wenig, dass sie nur Freundinnen hat, die bereits zu Studienzeiten sündteure Porsche fahren, wie es zweifellos so üblich ist. Ebenso wenig wie der Moment, wo die bildhübsche Hauptfigur überlegene Computerhacker-Kenntnisse an den Tag legt, die ihr der Ex-Freund beiläufig beigebracht hat. Zu allem Überfluss wird ihr auch noch ein IQ von 170 in der Geschichte angedichtet, was alleine fast schon die Einteilung des Texts in den Bereich ‚Fantasy‘ gerechtfertigt hätte.
Die einzig wirklich interessante Figur innerhalb der Geschichte ist der King of Pop selbst: Seine Zerrissenheit zwischen zu frühem Ruhm und der damit einhergehenden Einsamkeit wird recht gut dargestellt. Generell zeigt die Autorin umfangreiches Hintergrundwissen zu Jacko, was bei einer solchen Geschichte auch angemessen ist. Es mischen sich nur wenige offensichtliche Recherchefehler hinein, wie ein Haus, das 5 Milliarden(!)Dollar gekostet haben soll, oder ein Kristallluster aus echten(!)Diamanten, die dann auch noch unmöglicherweise zerbrechen. Von diesen Kleinigkeiten abgesehen, wirkt sein Charakter aber wesentlich tiefgründiger und ausgearbeiteter als der von Alessa. Das setzt sich in alle seine Lebenssituationen fort, bis hin zu der einen Szene, die *IronieAn* sicher jeder MJ-Fan schon einmal geschildert bekommen haben wollte *IronieAus*, wo er nämlich unter der Dusche ‚seinen Kaspar schnäuzt‘, das natürlich angeregt von den Gedanken an die Hauptfigur.
Sonstiges
Es fällt die Detailgenauigkeit der Autorin auf: Immer wieder zeigt sie gute Beobachtungsgabe und sorgt so für plastische Umgebungsbeschreibungen. Dann wiederum gibt es Passagen, wo diese Beobachtungsgabe außer Kontrolle gerät und den Text mit Füllstoff anreichert. Zu Kürzen gäbe es hier genug, was das angeht. Es gibt auch andere Stellen, wo die Detailgenauigkeit der Autorin der Geschichte ins Bein schießt, wie zum Beispiel folgende prophetisch anmutende Zeile:
„Leider Gottes wusste sie nicht, dass sie den Kampf bereits verloren hatte, obwohl jener noch nicht einmal begonnen hatte.“
Sie bezieht sich auf die Konkurrentin der Hauptfigur um MJs Gunst und Herz, und das noch, bevor sie ihm überhaupt begegnet ist. Einerseits kommt das natürlich kaum überraschend; andererseits ist es aber auch die perfekte Möglichkeit, um jede Spannung, die während des Plots „Kriegt-sie-ihn-oder-nicht“ aufkommt, zu zerstören. Ein für mich schwer nachvollziehbarer Schachzug.
Persönliche Meinung
Meine persönliche Meinung über diese Geschichte(nachdem sie zuvor nur eine nebelhafte Ahnung gewesen war)stand bei Seite 6 fest. Es brauchte dazu nur folgende Passage, die ich wortwörtlich wiedergebe:
„Andere Mädchen, wie Ivana, die ebenfalls auf Alessas Schule gingen, wünschten ihr aufgrund ihres Aussehens die Pest an den Hals. Weitere wiederum beneideten sie für ihren Körper. Dieser war makellos rein, von unbeschreiblicher Figur und unglaublich weicher Haut. Ihr Gesicht könnte das eines Models sein und ihre Haare hatten einen überirdischen Glanz. Alles in allem könnte man sie wie eine Mischung aus den Schauspielerinnen Jessica Biel und Jenna Dewan bezeichnen.“
Darüber hinaus hat sich das Bild einer Fließband-Mary-Sue-Phantasie aber nie in wirklich nervende Dimensionen gesteigert, auch zu meiner eigenen Überraschung. Das lag wohl in erster Linie an der Geradlinigkeit, mit der die Geschichte ihre egozentrische Prämisse dargelegt hat. Sie versucht nichts anderes zu sein als der hedonistische Wunschtraum vieler MTV-geprägter Teenager und predigt zeitweise sogar wahre Werte wie ‚Geld ist nicht alles‘. Die Unverblümtheit, welche mit der Erwartung, ernstgenommen zu werden, an den Tag gelegt wird, nötigt mir eine gewisse Achtung ab. Wie die Autorin ganz zu Beginn der Geschichte sagt: Sie schreibt die Geschichte in erster Linie für sich selbst. Niemand muss sie mögen(ich tat es definitiv nicht, auch wenn ich sie respektieren kann).
Überarbeitungsvorschläge
Nachdem die Autorin die Geschichte vorerst auf Eis gelegt hat, habe ich Zweifel, ob ihr eventuelle Überarbeitungsvorschläge von meiner Seite nützen. Nachdem sie aber andererseits ein Feedback beantragt hat, werde ich versuchen, mit welchen aufzuwarten. Da wäre natürlich das Hauptproblem der Geschichte: Die Protagonistin Alessa Martens. Perfekte Figuren mit perfekter Figur und perfekter Intelligenz sind totlangweilig. Punkt. Eine Geschichte wird interessant durch die Hindernisse, die eine Figur in ihr überwinden muss, um an das Ziel zu kommen. Alessa hat hier keine Hindernisse: Selbst ihrer Kontrahentin um MJs Gunst wird trotz der Tatsache, dass sie ihn viel länger kennt, von der Autorin selbst die Niederlage prophezeit. Alles Weitere fällt ihr einfach in den Schoss, wenngleich es von der Autorin recht in die Länge gezogen wird. Das ist somit weder ein Charakterbogen noch eine ‚Heldenreise‘, sondern kommt vielmehr dem schreiberischen Äquivalent nahe von dem, was MJ unter der Dusche tat(...). Dass das Spaß macht, will ich nicht bestreiten; dabei anderen zuzusehen ist hingegen(zumindest für mich)ein eher zweifelhaftes Vergnügen.
Fazit: Der kollektive Wunschtraum aller weiblichen MJ-Fans, allerdings vorerst unvollendet.
Liebe Grüße,
Rahir