(K)eine Traumhochzeit?(Harry Potter)

Veröffentlicht auf von Nellas

Titel: "(K)eine Traumhochzeit?"

Autor: Juliaa

Fandom: Harry Potter

Status: Beendet

Genre: Allgemein; ich konnte mich nicht zwischen "Humor" und "Romanze" entscheiden

Link zur Story: http://www.fanfiktion.de/s/4cb075c70001655b067007d0

 

Zusammenfassung des Autors: Lily Evans wünscht sich DIE perfekte Hochzeit in Weiß, doch am Tag der Hochzeit läuft irgendwie alles schief.


Sprache

 

Angesichts des vorherrschenden Niveaus in Harry Potter Fanfiction auf ff.de sind Rechtschreibung und Grammatik nahezu überdurchschnittlich. Manchmal ist zwar die Zeichensetzung der Autorin schwer nachzuvollziehen, doch diese Angewohnheit hält sich glücklicherweise stark in Grenzen, so dass der Lesefluss nur sehr kurzzeitig unterbrochen wird. Insgesamt ist der Stil sehr leger- manchmal zu leger, meiner Meinung nach.

 

Die Autorin verwendet erfreulich viele Absätze, was das Lesen ungemein erleichtert. Die Einteilung, um genauer zu sein die angezeigten Zeitsprünge, passen erfreulicherweise in das allgemein recht zwanglose Bild.

 

Sehr schade ist, dass die Autorin humoristische Ansätze, wie zum Beispiel Lilys Erwachen am Morgen, nicht genügend ausbaut. Manchmal wiederum scheint es so, als würde sie sich krampfhaft um Humor bemühen, welcher ihr misslingt. Der Wortschatz ist nicht übermäßig groß, aber insbesondere im Hinblick auf die „Kürze“ der Geschichte, ist dies eigentlich kein Manko.

Die Autorin nutzt die Perspektive des allwissenden Erzählers.

 

Inhalt/Handlung

 

Der Besuch einer Hochzeit hat die Autorin wohl dazu inspiriert, den Hochzeitstag von James und Lily Potter zu schildern, mit all seinen kleinen Pannen und einem nichts desto trotz gutem Ende. Einen roten Faden zu suchen wäre bei dieser schmalen Handlung wohl übertrieben. Doch da die Geschichte allgemein sehr kurz ist, fällt das nicht ins Gewicht.

 

Was ins Gewicht fällt ist der Umgang der Autorin mit dem Thema Petunia/Lily. Dort betreibt sie Schwarz/Weiß Malerei, auf die ich in den Charakteren noch einmal eingehen werde. Insgesamt hat die Hochzeit für mich leider recht wenig von einer „Zaubererhochzeit“. Das Potential, welches JKRs Welt bietet, schöpft die Autorin so gut wie nicht aus. James und Lily laufen sogar, als das Hochzeitsauto nicht kommt, anstatt zu apparieren. Die Atmosphäre ist, wie bereits angesprochen, ziemlich leicht und passt somit hervorragend in das angegebene Genre „Allgemein“.

 

Jedoch lässt die Autorin hier wiederum Potential verstreichen, indem sie Lilys Gefühle nur sehr oberflächlich transportiert.

 

Charaktere

 

Da wir über Lily und James nur sehr wenig wissen, bleibt die Autorin hier recht In Charakter. Doch in der Charakterisierung liegt vielleicht trotz all dem die größte Schwäche der Geschichte. Selbst Lily, aus deren Sicht der Leser den Großteil der Handlung erlebt, bleibt eher fade, ganz zu schweigen von den anderen Charakteren, wie Lilys bester Freundin, oder ihren Eltern. Bisher sehe ich nicht, wie Lily einmal die Mutter wird, die sich für ihr Kind gegen Voldemort selbst stellt. Weder sie noch James sind hier im Orden- was gegen die Vorlage ist.

 

James ist einfach das, was kleine Mädchen sich von ihrem Ehemann und Bräutigam wünschen: er erträgt Lilys Launen, ist etwas tölpelhaft, sehr süß um sie bemüht und will ihr den Tag recht machen.

Das sensible, schmerzhafte Thema Petunia/Lily, das die Autorin zweimal anschneidet, wird leider größtenteils unter den Tisch fallen gelassen, was mich vermuten lässt, dass die Autorin entweder sehr jung ist, oder zumindest keine (große) Schwester hat. Petunia ist schwarz, Lily ist weiß. Mehr Facetten werden dem Leser nicht geboten.

 

Unrealistisch finde ich ein „Verdammte Hochzeit, nur wegen dieser Missgeburt muss ich schon so früh aufstehen! Ich fasse es nicht!“ So redet man nicht von seiner Schwester! Neben der Tatsache, dass das Wort „Missgeburt“ aus dem Mund der Dursleys im Fanfic Jargon  älter ist, als der Kaugummi unter meinem Schuh.

 

Ehrlich, Leute, nur weil Petunia es im ersten Film verwendet...

Petunia kommt nur zwei Mal vor. Zuerst, als Lily morgens aufwacht: da hört sie Petunia besagte Textstelle rufen. Das zweite Mal regt sie sich über den Kuss des Ehepaares auf, gerade, als die Zeremonie vorbei ist.

Entweder hätte die Autorin Petunia ganz weglassen und Lilys Enttäuschung über die Abwesenheit ihrer Schwester einbauen sollen, oder einen Streit o.ä. der beiden einbauen.

 

Was wohl lustig sein soll, aber seltsam rüber kommt, ist die Tatsache, dass Lily sich betrinkt, weil der Tag doof ist.

Erstens sind es nur Kleinigkeiten- auch, wenn das bei einer Hochzeit für die Braut schlimmer ist als sonst, zweitens, weil Frauen sich nicht betrinken. Also, klar trinken wir auf Partys etc., aber es ist viel wahrscheinlicher, dass wir aufs Klo rennen und drei Stunden heulen, wenn auf unserer Hochzeit was schief läuft. Das resignierte Betrinken ist, zumindest laut Klischee, Männersache.

Ich finde auch den grundsätzlich leichten Ton an emotionalen Stellen etwas unpassend. Durch Übung erreicht die Autorin aber sicherlich auch da einen angenehmen Grad der Angemessenheit.

 

Sonstiges

 

Die Idee an sich ist selbstverständlich nicht bahnbrechend und neu, was bei der Länge aber grundsätzlich nichts schlechtes sein muss. Die Zusammenfassung beschreibt die Geschichte recht treffend, wenn auch etwas übertreiben. Der Humor ist, meiner Meinung nach, etwas spärlich gesät und alles in allem leider recht plump. Die Dichte der Geschichte könnte die Autorin noch ausbauen.

 

Wie bereits angesprochen ist mir die Textstruktur sehr positiv aufgefallen: angenehm zu lesen und passend zum losen Stil.

 

Persönliche Meinung

 

An sich fand ich die Geschichte nicht schlecht- aber auch nicht geeignet für das Fandom Harry Potter, da quasi nur die Namen dieser Welt verwendet wurden, nicht deren Magie. Eine Kleinigkeit ist mir negativ in Erinnerung geblieben: die rothaarige Lily trägt ein rotes Brautkleid. Ich habe genug rothaarige Freundinnen, um sagen zu können, dass das beim richtigen Farbton durchaus sehr gut aussehen kann, aber rote Hochzeitskleider sind an sich schon recht untypisch- ein weißes oder cremefarbenes hätte vollauf genügt. Auch ist die Geschichte etwas arm an Beschreibungen der Umgebung oder der Personen. Mir ist klar, dass alle wissen, dass Lily Evans rote Haare und grüne Augen hatte, aber es wissen nicht alle, wie die Kirche aussah, in welcher sie und James geheiratet haben etc.

 

Überarbeitungsvorschläge

 

Es klingt jetzt vielleicht doof, doch ich würde beinahe vorschlagen, die Geschichte so zu überarbeiten, dass die Magie eine größere Rolle spielt, oder nach einer Überarbeitung in Prosa posten. Was ich in jedem Fall für eine Überarbeitung empfehle, ist, dass die Autorin sich über Petunia und Lily klar wird- entweder kommt Petunia gar nicht zur Hochzeit, oder auf den Konflikt der beiden wird näher eingegangen, was insbesondere die verletzen Gefühle der beiden beinhaltet. So, wie es jetzt da steht, kann keine Dreidimensionalität der Charaktere entstehen.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Nellas

 

 

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Veröffentlicht in Fanfiction_Harry Potter

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