"Bis(s) zum Neuanfang" von Sterntaler (Biss)
Autor: Sterntaler
Titel: Bis(s) zum Neuanfang
Serie: Bis(s)-Reihe
Genre: Drama
Status: Vollendet
Zusammenfassung des Autors: Anstatt bei ihrem Selbstmordversuch zu sterben, wird Samantha von der Familie Cullen in einen Vampir verwandelt und von der Familie herzlich aufgenommen. Durch ihren Neuanfang kann sie ihr früheres Lebens vergessen. Als die Familie jedoch plötzlich in einen Mordfall verwickelt wird, scheint das Leben, das Carlisle für sich und seine Familie aufgebaut hatte, aus den Fugen zu geraten.
Link: http://www.myfanfiction.de/texte/bis-s-twilight/bis-s-zum-neuanfang.78945.html
Bemerkung: Ich habe dieses Feedback geschrieben ohne die Bücher gelesen haben und habe nachträglich Recherche angestellt. Daher hatte ich bei meiner Einschätzung nur grundlegendes Hintergrundwissen.
Sprache
Bis auf ein paar Vertipper fielen mir keine grundlegenden sprachlichen Mängel auf. Die Wortwahl und die Satzstellung sind abwechslungsreich, wodurch die Geschichte recht angenehm und flüssig zu lesen war. An einigen Stellen hörte sich die gewählte Ich-Perspektive in Verbindung mit der Vergangenheitsform aber ziemlich seltsam an.
Inhalt
In der Zusammenfassung: Wunderhübsches Mädchen wagt wegen Einsamkeit einen Selbstmordversuch und wird von den Cullens zum Vampir gemacht. Dadurch wird sie noch schöner, erlangt übernatürliche Kräfte und eine Familie. Erst ist also Friede. Freude, Eierkuchen angesagt, bis ihr untreuer Ex vorbeikommt und von einem gewalttätigen Vampir ermordet wird. Daraufhin kommt ein (gutaussehender) Ermittler vom CSI New York nach Forks, welcher natürlich an Vampire glaubt, und will den Mord aufklären. Das Mädchen verliebt sich natürlich in den Ermittler und das Drama geht los.
Der Plot ist lückenhaft, viel zu übereilt abgearbeitet und weist logische Ungereimtheiten auf. Wichtige und interessante Passagen werden einfach weggelassen, wie z.B. die Eingewöhnungszeit als Vampir oder die Zeit, in der sich Samantha in den Ermittler verliebt. Stattdessen kommt ein riesiger Zeitsprung und man wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Dadurch wirkt die Handlung natürlich stark übereilt und unglaubwürdig. Ein dicker logischer Fehler liegt allein schon in der Tatsache, dass ein Ermittler aus New York nach Forks kommt, was meiner Recherche nach in Washington und damit auf der anderen Seite von den Vereinigten Staaten liegt.
Daher wundert es auch nicht, dass der Mordfall offensichtlich ohne weitere Probleme und ohne großartige Ermittlungen abgeschlossen und vergessen ist. Die Arbeitsweise des CSI wurde nicht recherchiert und völlig vernachlässigt. Da kommt schnell der Verdacht auf, dass der Mordfall nur ein Vorwand war, um einen gutaussehenden Polizisten nach Forks zu bringen.
Auch an Beschreibungen fehlt es in der Eile, außer natürlich es geht um tolle Kleider und das perfekte Aussehen der Protagonisten. Aber auch dann bleibt die Beschreibung weitestgehend oberflächlich.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Dramatik nicht wirklich aufkommen kann, wenn der Plot so nachlässig und unrealistisch ausgearbeitet wurde. Konflikte lösen sich auf, kaum dass sie aufgekommen sind und durch Alice tolle Fähigkeit weiß man sowieso immer vorher, was geschehen wird. Spannend ist etwas anderes.
Charaktere
Samantha ist der Ich-Erzähler der Geschichte und um sie drehen sich alle Geschehnisse. Ihre Perfektion steigert sich im Laufe der Geschichte immer weiter. Es fängt mit unglaublicher Schönheit an, geht mit einer tollen Superhelden-Fähigkeit weiter und endet in dramatischer Selbstaufopferung für ihre neue Familie. Ihre Vergangenheit ist offenbar so nebensächlich, dass die Autorin ihr nur ein paar Nebensätze schenkt und sie dann nicht mehr erwähnt. Aber wen interessieren schon die langweiligen, toten Eltern, wenn man sie gegen die durchwegs perfekten und unglaublich schönen Cullens eintauschen kann? (Tolle Klamotten und ein schickes Auto mit inbegriffen.)
Samanthas Selbstmord ist unrealistisch und unglaubwürdig. Erst einmal kann ich gar nicht nachvollziehen, wie ein Mensch, der selbst behauptet er hätte ein schönes Leben, sich umbringen will. Die Begründung dafür, Einsamkeit und Schicksal, ist mehr als nur fadenscheinig. Nur weil man einsam ist, nimmt man sich nicht das Leben. Dafür hat ein Mensch den sogenannten Selbsterhaltungstrieb, der solche Aktionen im entscheidenden Moment oft verhindert. Recherche fehlte auch hier genauso wie vorangehende Kapitel, in denen Samanthas Verzweiflung dem Leser nähergebracht wird. Abgesehen davon, dass es vollkommen unmöglich ist, keinen Schmerz zu fühlen, wenn man sich die Pulsadern aufschneidet, finde ich den Unterton des ersten Kapitels unpassender weise sehr nüchtern und leicht humoristisch.
Weiter geht es mit ihrer Romanze mit Luke. Anfangs riecht er unbeschreiblich gut und nur ein paar Zeilen weiter behauptet sie felsenfest, sie würde ihn unsterblich lieben. Bei Bellas und Edwards Hochzeit (Warum ist er da überhaupt eingeladen?!) ‚tanzt er sie in den Himmel‘ und am Ende ist er ‚das Yin zu ihrem Yang‘. Auch er ist natürlich unglaublich gutaussehend und perfekt. Und selbstverständlich kommen sie am Ende zusammen, was auch sonst.
Alle anderen Charaktere sind nur nebensächlich und oberflächlich beschrieben, sodass ein facettenreicher Charakter bei ihnen schon gar nicht aufkommen kann. Der Antagonist ist grausam und gewalttätig und die anderen Cullens eben genauso perfekt wie Samantha. Luke lernt man kaum kennen, da er keinen besonders großen Platz in der Handlung findet und kaum vorkommt. Die Handlung dreht sich nur um Samantha, Samantha, Samantha…
Sonstiges
Eine Frage stellt sich mir immer noch: Warum zur Hölle ‚keuchen‘ die Charaktere andauernd, wo doch die meisten von ihnen nicht einmal ATMEN müssen? Ist der Autorin nicht klar, dass Keuchen ein Zeichen von extremer Atemlosigkeit und nicht von Schock ist?
Fazit
Diese Geschichte scheitert vor allem daran, dass sie sich nicht die Zeit nimmt, die sie braucht, um erzählt zu werden. Viele wichtige Passagen fehlen einfach, um sie glaubwürdig und logisch nachvollziehbar zu machen. Desweiteren fehlt es dem Plot und den Charakteren an Originalität und Authentizität.
Überarbeitungsvorschläge
Zuerst einmal sollte die Autorin die Handlung und Charaktere so ausarbeiten, dass diese logisch nachvollziehbar ist. Dazu gehört vor allem, dass sie die übersprungenen Passagen mit Leben ausfüllt. Aber auch darüber hinaus sollte die gesamte vorhandene Handlung auf Glaubwürdigkeit geprüft werden.
Auch anzuraten wäre ein Kapitel, in dem auf Samanthas vorheriges Leben eingegangen wird. Nur so kann ihre Verzweiflungstat erklärt werden. Desweiteren sollte überlegt werden, ob eine perfekte Frau wirklich so unglaublich interessant ist. Ihr würden ein paar Schwächen sowie eine Vergangenheit stehen, auf die dann auch Bezug genommen wird. Denn jeder Mensch ist nur die Summe seiner Erfahrungen und im Moment scheint Samantha von denen kaum welche zu haben. Das Gleiche gilt für alle anderen Protagonisten. Vielleicht wäre es hilfreich, für sich selbst ausführliche Steckbriefe zu schreiben, in denen man die Eigenschaften der Protagonisten einträgt.
Gerade ein sensibles Thema wie Suizid muss gründlich recherchiert und sensibel angegangen werden. Auch kann man es nach der gescheiterten Ausführung nicht einfach abhaken, denn so große Verzweiflung und Depression geht nicht einfach von heute auf morgen weg.
Unsterbliche Liebe entsteht nicht mal eben so zwischen den Zeilen. Dazu gehört, dass man sich gut und lange kennt. Alles andere ist eher eine Verliebtheit.
Eigentlich kann man sagen, dass so ziemlich jeder Aspekt einfach mehr durchdacht und weiter ausgearbeitet werden sollte. Ein spannendes Drama wird nun mal nicht in fünf Minuten erzählt und es steckt eine Menge Arbeit darin.
LG
Smailii1805