Asphalt Cowboy - Zurücklassen der Vergangenheit
Titel Zurücklassen der Vergangenheit
Autor:Straw28
Prosa oder Poesie: Prosa
Fandom: Story zum Film AsphaltCowboy
Genre: Drama
Link zur Story http://www.fanfiktion.de/s/492a671c00006662068032c8
Kurzbeschreibung des Inhalts: Kurzstory zum oben genannten Film. Es geht darum wie Rico und Joe die letze Nacht in ihrem alten Zuhause erleben.
In dieser Geschichte, die sich aus dem Film „Asphalt Cowboy“ ableitet, passiert nicht allzu viel; sie spielt sich in einem verlassenen Haus in New York ab, wo zwei Randfiguren der Gesellschaft, ein sogenannter Rico und sein neuer Freund Joe Unterschlupf gefunden haben. Es geht um das Verhältnis zwischen diesen beiden und ihrem Plan, einen Ort aufzusuchen, wo ihrer Meinung „alles besser“ ist, in diesem Fall Miami.
Fangen wir an mit den Mängeln: Zu Beginn der Erzählung wird erwähnt, dass ‚jemand umgebracht wurde‘. Wer dieser jemand war oder was das mit den Figuren zu tun hat, erfährt man aber auch im weiteren Verlauf nicht.
Dann gibt es logische Mängel, wie die Befürchtung der Hauptfigur, dass der Taxifahrer, der ihn offenbar in ein Viertel mit unbewohnten, abbruchreifen Häusern bringt, die Polizei verständigt, weil er sehen könnte, wie er, Rico, ein unbewohntes Haus betritt. Ein Taxifahrer, der in eine solche Gegend überhaupt fährt, würde, so denke ich mir, eher schleunigst verschwinden als die Polizei auf so etwas Alltägliches wie einen Obdachlosen aufmerksam zu machen.
Immer wieder kommt es vor, dass die Autorin von der 3.Person in die 1.Person wechselt, und das ohne einen eventuellen Gedanken der Hauptfigur anzukündigen, was diesen Sprung erklären könnte.
Ein Problem mit der Kontinuität ist mir ins Auge gesprungen: von Beginn an ist die Rede von Ricos kaputtem Bein. Er kommt in seine ‚Wohnung‘ und der Satz fällt: „Denn nachdem er endlich oben war und sich aufs Bett setzte, bestätigte sich sein Verdacht. Das Bein war gebrochen.“ Später in der Geschichte gibt es eine Rückblende zu dem Ereignis, wie es dazu gekommen ist. Laut der Autorin waren es eine Bande Jugendliche, die ihn zusammengeschlagen haben. In dieser Rückblende fällt wiederum der Satz: „Sein Bein wurde dabei wohl gebrochen und wuchs nicht mehr richtig zusammen.“ In der obengenannten Passage kommt es dem Leser vor, als hätte die Hauptfigur dies eben zum ersten Mal festgestellt, obwohl es ihm ja damals schon klar war, und seither, wie dann geschrieben steht, Wochen vergangen sind und er sich sogar an das Hinken gewöhnt hat.
Was die Formulierungen betrifft, kann man noch sagen, dass die Sprache einfach, aber passend ist. Mich stören nur die vielen Behauptungen an Stellen, wo figurative Sprache anschaulicher wäre. Die Regel „show, don’t tell“ kann ich der Autorin nur ans Herz legen.
Es gibt aber auch einiges Positives zu sagen, und zwar was die Interaktion zwischen den Charakteren angeht, sowie ihre Zukunftsperspektiven, die sie sich trotz der Aussichtslosigkeit ihrer Lage bewahrt haben.
So klammert sich Rico an seine Kippensammlung wie an einen wertvollen Schatz, der ihn überhaupt erst sein Dasein ertragen lässt. Zugleich sorgt sein Kumpan Joe dafür, dass genau diese Zigaretten verschwinden, und das aus einer rationell kaum erklärbaren und vielmehr sentimentalen Anwandlung von Besorgnis um Ricos Gesundheit.
Das Gefühl der Hoffnung, dass es einen Ausweg aus dieser tristen Lage gibt, ist die ganze Zeit zu spüren, trotz des Schmutzes, der Armut und der Perspektivlosigkeit ihrer beider Leben. Die Freundschaft zwischen ihnen in einer Welt, wo jeder nur versucht zu überleben, wird mit einer Wärme dargestellt, die nie ins Schwülstige abkippt. Man spürt förmlich, wie diese Männer, die beide vom Leben nicht mehr viel zu erwarten haben, sich doch im Inneren ihre Menschlichkeit bewahrt haben, trotz der Kriminalität und der Armut, die sie umgibt.
Letztendlich werden alle Hoffnungen auf ein besseres Leben auf die Stadt Miami projiziert, eine Hoffnung, die vor allem Rico erst die Kraft zu geben scheint, seine missliche Lage zu ertragen. So schließt diese Geschichte mit seinen hoffnungsvollen Gedanken, die in ihrer Unschärfe die Möglichkeit, dass sie in Miami das gleiche Leben wie hier erwarten könnte, auf gutgläubig-naive Weise ausschließt.
Fazit: eine Kurzgeschichte über Freundschaft und Hoffnung, die durch ihren einfachen, aber zugleich eindringlichen Stil überzeugt. Einzig die logischen Fehler und die weitgehende Abwesenheit von bildlicher Sprache trüben den Gesamteindruck etwas.
Liebe Grüße,
Rahir