Titel: "black curls"
Autor: JuleMike
Prosa oder Poesie: Prosa
Fandom / Orginial: Fandom
Genre: Romanze, Drama
Link zum Text: http://www.fanfiktion.de/s/4e86866a0002099106d00bce
Kurzbeschreibung des Inhalts: "Jule Sophie Annie ist ein riesengroßer Fan von Michael Jackson und kann ihr wahnsinniges Glück kaum fassen, als sie ihn
durch Zufall trifft. Durch die Fügung des Schicksals bekommt sie die unglaubliche Chance, ihn näher kennenzulernen - und muss feststellen, dass sie sich unsterblich in ihn verliebt hat."
Sprache
Sprachlich gibt sich diese Geschichte eher unauffällig. Die Rechtschreibung ist in Ordnung, größere Fehler konnte ich nicht entdecken, auch wenn ab und
an mal ein Buchstabe zu viel oder zu wenig in einem Wort vorhanden war. Die Grammatik hat mich bei einigen Sätzen irritiert, muss ich sagen, ist aber solide. Lobenswert sind aber die allgemeinen
Kommaregeln, dem es keinen Abbruch tut, dass ein Komma nach Beendigung der wörtlichen Rede fehlt, um das Ganze mehr abzugrenzen.
Die Satzstellung spiegelt den hektischen Ablauf gut wider, indem sie gleich den Protagonisten förmlich dahin stolpert. Der Wortschatz der Autorin
scheint ihr etwas engere Grenzen zu setzen. Immer wieder werden ein- und dieselben Sachen beschrieben und durchgekaut, und das leider etwas zu lang. Die Ausdrucksweise erinnert teilweise an den
Wortwechsel zweier extrem aufgeregter und kichernder Freundinnen, ebenso die Dialoge, was zu dieser Geschichte aber ziemlich gut passt.
Inhalt/Handlung
Es geht darum, dass Jule, eine 21-jährige Kunststudentin, in einem Supermarkt auf Michael Jackson trifft. Nachdem sie in Ohnmacht gefallen ist, wacht
sie bei ihm zu Hause auf, verliebt sich noch mehr in ihn und lernt ihn bereits etwas näher kennen. Er lädt sie zu sich nach Hause ein und sie zieht direkt am nächsten Tag mit Sack und Pack auf
unbestimmte Zeit bei ihm ein. Sie lernen sich noch näher kennen und kommen im Laufe der Geschichte zusammen - was auch sonst.
Ein roter Faden ist Anfangs noch da, doch dieser verschwimmt im Laufe der Geschichte immer mehr, zumindest für mich, und der Plot wird nur durch plump
eingestreute Exposition zusammen gehalten. Im Kern geht es also darum, einen eigenen Charakter mit MJ zusammen zu bringen, die Phantasie spielen zu lassen und sich auszudenken, wie die Beziehung
der beiden läuft und was sie alles erleben. Für mich ist noch kein klar erkennbares Ziel zu sehen, da die Geschichte noch geschrieben wird und unfertig ist.
Sensible Themen kommen kaum vor, abgesehen davon, dass Jules Vater etwas getan hat, was bis zu dem Punkt, bis wo ich gelesen habe, zwar angedeutet, aber
keineswegs etabliert wird. Darauf gehe ich aber im nächsten Abschnitt noch einmal genauer ein. Und die Atmosphäre? Tja ... ich bin beim Lesen ungeduldig und hibbelig geworden, leider aber
keineswegs an ADHS.
Charaktere
Jule, die Hauptprotagonistin in dieser Geschichte, hatte wohl eine oder mehrere einschneidende Erfahrungen in ihrem 21-jährigen Leben, die mit ihrem
Vater zusammen hängen und sie scheinbar noch heute belasten. Sie werden angedeutet, aber nicht direkt erwähnt und, wie oben bereits geschrieben, nicht genauer erklärt. Es ist wichtig, die
Charaktere direkt beim ersten "Auftritt" vorzustellen und wenn etwas Bewegendes oder für den Charakter gar Verstörendes in seiner/ihrer Vergangenheit passiert ist, sollte dies schon "bearbeitet"
werden, weil man immer wieder daran denkt - egal, ob man das will oder nicht. Es ist fest in den eigenen Erinnerungen verankert.
Jule kommt aus reichem Hause (ihre Mutter ist reich; sehr viel mehr wird über sie nicht gesagt) und versteht sich nicht sonderlich gut mit ihr. Zu ihrem
Vater hat sie keinen Kontakt. Als sie das erste Mal auf Michael trifft, verhält sie sich so, wie sich vermutlich die meisten verhalten würden. Trotz ihrer 21 Jahre verhält sie sich wie ein
durchgeknallter, völlig hormongesteuerter Teenager, soll aber gleichzeitig auch erwachsen erscheinen. Für eine 21-jährige spricht sie auch eher, als würde sie noch die High School
besuchen.
Auch MJ redet in dieser Geschichte eher wie ein Teenager und nicht wie ein erwachsener Mann, der er für die Öffentlichkeit und Unbekannte im Allgemeinen
ja war. Seine Gefühlslagen, muss ich sagen, erinnern mich unheimlich an einen Gummiball, wenn man diesen mit aller Macht gegen die Wand wirft und dabei zusieht, wie er durch die Gegend hüpft. Und
so schnell, wie Michael von einem "süßen" über "ehrlichen" zu "schüchternen" Lächeln wechselt, würde ich Muskelkrämpfe bekommen.
Sein Verhalten wird auch später nicht besser, eher im Gegenteil. Bis jetzt stelle ich mir noch die Frage, wo seine Schüchternheit so plötzlich hin
verschwunden ist?
Zu der Tiefe und Ausarbeitung der Charaktere kann ich leider nicht viel sagen. Jule ist oberflächlich und Aussehenstechnisch durchschnittlich, aber
trotzdem hübsch. Wenn ich mir Michael vorstelle, wie er hier beschrieben wurde, habe ich das ganz starke Gefühl, er wurde aus einem der Peter-Pan-Filme gemopst.
Sonstiges
Angesichts der von vielen anderen Fans geschriebenen Fanfics, in denen ein selbsterfundener Charakter oder manchmal ein Vorbild, z.B. eine Freundin, auf
Michael Jackson trifft, ist das ein ... nun ja, eigentlich überhaupt nicht origineller, aber doch funktionaler Plot, der mich Zeitweise sehr an meine eigene Geschichte erinnert. Allerdings möchte ich hier keinen Fall von Plagiarismus vorwerfen - irgendwo sind wir doch alle Diebe geistigen Eigentums.
Titel und Zusammenfassung sind soweit stimmig. Die Autorin hat bereits erwähnt, dass die Geschichte oberflächlich geschrieben ist - dem kann ich nur
zustimmen, indem ich sage, dass die Erzählfülle wesentlich dichter sein könnte. Mehr Beschreibungen der Umgebung und der Personen wären nicht schlecht, denn wenn man MJ & Co. nicht kennt,
steht man ziemlich im Dunkeln. Ich beispielsweise weiß auch nicht spontan, wie Quincey Jones aussieht.
Ebenso würden ein paar mehr Absätze die Struktur des Lesens am Bildschirm qualitativ steigern.
Ach ja, eines noch: Was man ziemlich häufig bei Fanfiktions beobachten kann und was auch hier der Fall ist, sind Aussagen des Autors oder der Autorin
selbst, die mit der eigentlichen Geschichte absolut nichts zu tun haben. Bitte! Wenn solche Kommentare schon vorkommen müssen, dann doch bitte mit einem Sternchen ans Ende hängen oder im Header
des Kapitels klären, aber unter gar keinen Umständen in den Fließtext einbauen. Es ist nämlich nicht sonderlich angenehm, wenn man immer wieder aus der Erzählung gerissen wird, weil man die
Zwischenbemerkung liest, und dann nicht wieder reinkommt, weil man den Faden verloren hat und wieder von vorne anfangen muss.
Persönliche Meinung
Ein Eindurck oder eine Wirkung direkt hatte die Geschichte nicht auf mich, trotzdem ist da etwas. Ich kann mich ziemlich gut mit Jule identifizieren,
würde so etwas gerne selbst mal erleben, weswegen ich verstehen kann, dass die Autorin sich selbst in die Geschichte geschmuggelt hat. Zumindest wirkt es auf mich so. Spannung wurde bei mir
allerdings keine aufgebaut, da das Wenige mich nicht über den Plot hinwegtrösten konnte, der so vorhersehbar ist, wie das Wetter von vor zwei Stunden.
Überarbeitungsvorschläge
Zu allererst sollte auf die Charakterisierung von Jule geachtet werden. Momentan ist sie noch ziemlich oberflächlich, eindimensional und kommt über die
vorgefasste Vorstellungswelt nicht hinaus. Es empfielt sich, eventuell einen ausführlichen Steckbrief anzufertigen. Dazu eignet sich die Kolumne "The Art of Fiction Writing" von cocopelli.
Bei MJ etwas mehr auf seine "wahre Persönlichkeit" eingehen und den Charakter dementsprechend umgestalten, damit es leichter fällt, sich in die
Geschichte fallen zu lassen.
Auch Nebencharaktere sind Charaktere, auch sie haben eine Persönlichkeit, einen Charakter und ein Aussehen. Deswegen sollten sie ebenfalls genügend
Aufmerksamkeit bekommen - sie können z.B. sehr gute Konflikte zaubern.
Auf die Atmosphäre sollte ebenfalls akribisch geachtet werden. Momentan tut sich da nämlich noch nicht viel.
Die Geschwindigkeit einiger Handlungspunkte sollte überarbeitet werden. Wahre Liebe entsteht nun mal nicht eben so zwischen den Zeilen.
Auf die Vergangenheit von Jule sollte noch einmal ausführlich eingegangen werden. Dazu eignen sich Zwischenkapitel ganz gut oder ein, zwei, die vor dem
eigentlichen Beginn der Geschichte eingeführt werden. Denn jeder Mensch ist nur die Summe seiner Erfahrungen und momentan scheint Jule von denen kaum welche zu haben. Eine Vergangenheit, die
ausreichend beleuchtet wurde, würde ihr gut stehen, ebenso Stärken und Schwächen.
!Anmerkungen vom Autor/der Autorin selbst sollten nicht mitten im Fließtext stehen!
Wenn ein ernsthaftes Bestreben besteht, diese Story zu beenden, sollte sie dringen noch einmal überarbeitet werden. Ein bisschen mehr Action würde ihr
stehen.
Liebe Grüße,
2Illuminatis