Das verfluchte Kloster(Supernatural)
Titel: Das verfluchte Kloster
Autor: Paheli
Prosa
Supernatural
Genre: Mystery, FSK 16
Link: http://www.fanfiktion.de/s/4913ee940000810e06514438
Kurzinhalt: Warum verschwinden in einem kleinen Ort immer wieder Männer spurlos und was hat das mit einem Kloster zu tun? Dieser Fall wird für die Winchester-Brüder eine harte Nuss und ohne Hilfe geht es nicht doch wer soll ihnen helfen in einem unbekannten Ort?
Sprache
Die Autorin gehört zu jener Sorte Schreiber, die regelgemäße Kommasetzung ziemlich konsequent verweigern- auch auf die Gefahr hin, den Text schwer lesbar zu machen(Pro-Tipp: Bei Sätzen wie „Dean was hast du…“ gehört definitiv ein Komma nach dem Namen, außer, man will alle Figuren wie Roboter reden lassen). Was das Ganze nicht gerade verbessert, ist der linkisch klingende Stil, der in etwa klingt „dann geschah das, und dann geschah das, und dann…“ Diese Vorgehensweise reichert den Text nicht nur mit überflüssigen Bestätigungen des Offensichtlichen an, sondern hemmt auch den Lesefluss.
Bei einer jüngeren Autorin hätte ich das nur am Rande erwähnt- angesichts des Alters der Autorin(laut Profil)muss ich hier aber großen Nachholbedarf anmelden, was die stilistische Seite angeht. Nicht besser ist es bei den Dialogen. Diese haben die Tendenz, in langatmige Infodumps abzudriften, besonders mit der später auftauchenden Figur der Yana. Der Stil der Autorin setzt sich in den Dialogen auch so fort, als dass sie wie Gespräche zwischen Kindern und viel weniger Erwachsenen klingen. Das hat seitenlange Exposition zur Folge, was die Regel „show, don’t tell“ des Öfteren verletzt. Auf der positiven Seite kann man feststellen, dass Rechtschreibung und Grammatik weitgehend fehlerlos sind.
Inhalt/Handlung
Die Handlung dreht sich um das namensgebende ‚Verfluchte Kloster‘, das von dem Gespenst seiner früheren Äbtissin unsicher gemacht wird. Von diesem Ort erfahren die Brüder über ein Internetforum für ‚Geisterjäger‘. Und das bleibt nicht die einzige Unwahrscheinlichkeit: Es wird auch etabliert, dass ganze Wandergruppen bzw. deren männliche Teilnehmer spurlos verschwinden an diesem Ort. Das wird als eine allgemein bekannte Tatsache geschildert- was aber nicht verhindert, dass sich weitere ‚Wandergruppen‘ ankündigen und eben diesen Ort aufsuchen, ohne dass die Polizei Versuche macht, das Geschehen zu untersuchen oder das Gelände abzusperren. Generell klingt der Plot ziemlich nach Edgar Wallace, was den Titel als auch das wenig plausible Geschehen betrifft.
Etwas, das man bei Fanfiktion selten findet, nämlich Humor, hat die Autorin immer wieder versucht, einzubauen. Die Betonung liegt auf „versucht“, denn ihre Bestrebungen Richtung humorvoller Einlagen sind leider größtenteils Rohrkrepierer. ‚Lustig‘ ist es nämlich weder, Filme wie Indiana Jones zu erwähnen, noch einen der Dean-Brüder ‚Schlampe‘ zu taufen. Auch Begriffe wie ‚spooky‘ und Redewendungen wie ‚er freute sich wie über einen Lolli‘ sind lachhaft, aber nicht zum Lachen. Ein weiteres Beispiel, wo ich mir nicht sicher war, ob es sich um missglückten Humor oder einfach eine Stilblüte handelt, war folgender Dialog, der in etwa so verlief:
„Hat das Mädchen bei Ihnen die Utensilien gekauft, um Luzifer, den Leibhaftigen, zu erwecken, der das Ende der Welt einleiten wird?“
„Aber nein. Sie ist ein nettes Mädchen, das würde sie nie tun. Sie hat es nur für ihre Hausaufgaben benötigt.“ Zu finden in Kapitel 39.
Charaktere
Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie viel Ähnlichkeit diese Fanfics mit der Darstellung der Charaktere in der TV-Serie haben. Die Eintönigkeit der Charakterdarstellung ist somit entweder auf die Vorlage zurückzuführen, die einfach aus seichter Fernsehunterhaltung besteht, oder auf die mangelnden Fähigkeiten der Autorin zu Empathie und Einfallsreichtum. Hier eine Linie zu ziehen, fällt mir schwer; fest steht aber, dass die Figuren nie wirklich über ihre ‚thumbnail-descriptions‘(Charaktereigenschaften von so kleinem Umfang, dass sie auf einen ‚Daumennagel‘ passen)hinauskommen. Dean ist ein vorwitziger Frauenheld, während Dean zurückhaltend und nachdenklich ist. Punkt. Für eine Fernsehserie genügt das wohl; für eine lange Geschichte wie hier ist das aber etwas wenig Substanz, um solange mit den Helden mitfiebern zu lassen. Gelegentlich gibt es zwar Ansätze, etwas wie Menschlichkeit oder Facettenreichtum in das Bild der beiden Brüder zu bringen; das hält aber nur solange an, bis einer dem anderen in einer rührseligen Szene zu bemuttern anfängt.
Das ist das grundsätzliche Problem aller Supernatural-Fanfic, die mir bisher untergekommen sind: Die darin vorkommenden Männer haben wenig Ähnlichkeit mit Männern. Sie sind vielmehr sensible, sich gegenseitig bemitleidende und bedauernde Schönlinge, Ausbünde weiblicher Fantasie, haben aber kaum Gemeinsamkeiten mit realen Personen des anderen Geschlechts. Das soll nicht heißen, dass ein ‚Mann‘ in Geschichten nur dann ein Mann ist, wenn er klischeehafte Rambo-Attitüden wie ein Eiswürfel hat. Es soll aber sehr wohl heißen, dass es lächerlich wirkt, wenn man ‚Jägern übernatürlicher Phänomene‘ Durchsetzungsvermögen oder zeitweilige Emotionslosigkeit abspricht. Denn dann sind sie Figuren einer bestimmten Vorstellungswelt, die von Anhängern eines bestimmten Fandoms angehimmelt werden, darüber hinaus aber keinen anderen Leser ansprechen können.
Sonstiges
Die Grundidee der Geschichte, ein ‚verfluchtes‘ Kloster mitsamt einer dämonischen Äbtissin, die Männer verschwinden lässt, um mit deren unfreiwilliger Hilfe ewige Jugend zu erlangen, gäbe ein solides Gerüst für eine Gruselstory ab. Ich sage absichtlich „gäbe“, denn in diese Richtung ging die Absicht der Autorin offenbar nicht. Stattdessen gibt es zahllose ‚Bruder‘-Szenen zwischen den Hauptfiguren, die zwischen unbeholfenem Humor und weinerlichem Drama schwanken, einen Plot, der nur von plump eingestreuter Exposition zusammengehalten wird, darüber hinaus aber mehr ‚plot-holes‘ hat als Schweizer Käse, und die obligatorischen ‚Hurt‘-Szenen. Zudem fragt es sich, was man von einer Geschichte halten soll, deren Autorin dem Leser nicht zutraut, eine Rückblende zu erkennen, und deshalb den Phantasiebegriff „Shortflash“ einfügt.
Persönliche Meinung
Um diese Geschichte objektiv zu kommentieren, muss man sie als das nehmen, was sie ist bzw. überbringen will: Ein ‚Drama‘ mit den Winchester-Brüdern im Mittelpunkt, dazu eine Menge ‚Hurt‘, sprich wohldosierter Sadismus für den Supernatural-Fan. Es ist keine ‚Mystery‘-Story, wie die Autorin angibt, denn der Plot ist so überraschend wie die Wettervorhersage von gestern. Gruselstimmung will ebenso keine aufkommen, da das Geschehen viel zu langatmig ist, um einen Spannungsbogen aufzubauen. Dafür wäre ein flotteres Erzähltempo nötig; so aber gibt es oft viele Seiten andauernde Längen, die jede Spannung mit überflüssigem Füllmaterial ersticken. Der kindliche Schreibstil wird vor allem jüngere Leser ansprechen, kann ich mir vorstellen. Und all jene, die bei der bloßen Erwähnung der Wörter ‚Dean und Sam‘ hyperventilieren, werden auch ohne all diese Zutaten begeistert und zufrieden sein.
Überarbeitungsvorschläge
Das herausstechendste Verbesserungsmerkmal liegt in der Komma-Setzung, welche weitgehend durch Abwesenheit glänzt. Des Weiteren würde ich das Zusammenstutzen von so manchem schier endlosen Dialog empfehlen, sowie das gezielte Durchforsten des Texts nach infantil klingenden Formulierungen. Grundsätzlich könnte man natürlich versuchen, den männlichen Charakteren auch männliche Eigenschaften zu geben, die sie von den wehleidigen Sensibelchen, die sie momentan sind, etwas entfernen würden- aber genau darin liegt wohl die Anziehungskraft für die Fans dieses Fandoms; kann man sich doch hier den ‚Mann‘ zusammenträumen, wie er nie existieren wird.
Fazit: Eine winzige Prise Mystery, ein kleine Prise Grusel, und jede Menge Sam-und-Dean. Nicht mehr und nicht weniger.
Liebe Grüße,
Rahir