'Chaos Pur!' von Anni-Potter(Die Wilden Kerle)
Titel: Chaos Pur!
Autoren: Anni-Potter und gnuschii
Gepostet von: Anni-Potter
Prosa.
Fandom: Die Wilden Kerle Stars
Genre: Humor
Link: http://www.fanfiktion.de/s/47bac0db00006018068055f0/1
Kurzbeschreibung: Anni und Jacky sind beste Freundinnen und haben beschlossen, gemeinsam in eine WG zu ziehen. Wen sie da überall treffen und mehr lest ihr hier!
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Sprache
Zuerst mal die positiven Aspekte: Rechtschreibung und Grammatik werden nur stellenweise vernachlässigt und nicht die ganze Zeit. Wenn man sich rein auf die Buchstaben konzentriert, ohne zu versuchen, so etwas wie Sinn in diesem Text zu entdecken, hält sich die Verwirrung in Grenzen. Zumindest grundsätzliche alphabetische Kenntnisse sprechen aus diesem Text. Die Satzstellung spiegelt den hektischen Ablauf gut wieder, in dem er gleich den Protagonisten fast schon hysterisch dahin stolpert. Der Wortschatz ist unauffällig und orientiert sich eher an der heutigen SMS- und Chat-Sprache, wenngleich nicht ganz so schlimm. Die Ausdrucksweise entspricht dem aufgeregten Wortwechsel zweier dauerkichernder Freundinnen, was zu dieser Geschichte wohl ganz gut passt. Dass die Zeitform kaum über längere Zeit eingehalten wird, fällt da kaum auf.
Inhalt/Handlung
Von einer Handlung oder gar ‚Inhalt‘ zu sprechen, erscheint mir übertrieben. Der Schwerpunkt soll laut den Worten der Autorin auf ‚Humor‘ liegen; leider konnte ich nichts entdecken, auf das dieser Begriff nur annähernd hinpasst. Einlagen wie ins Gesicht geworfene Eisbecher, Skateboards, die zur sprichwörtlichen Bananenschale werden, oder der eine Running-Gag mit ‚Opa‘ und seinem Kakao sind nicht komisch, sondern einfach nur kläglich. Leser ab einem gewissen Alter werden daran beim besten Willen nichts Humorvolles finden können. Es bleibt ein wirrer Haufen absurder Episoden voller Teenager-haftem Gezanke und Schwärmerei übrig, die über weite Strecken auch den leisesten Anspruch auf Sinn und Logik aufgibt. Nur selten gibt es Passagen, bei denen man verborgen unter der infernalischen Grammatik so etwas wie menschlich nachvollziehbare Themen findet, wie beispielsweise Zugehörigkeit und Freundschaft.
Charaktere
Die Autorinnen haben es sich zur Gewohnheit gemacht, alle Gefühlsregungen und Gedanken ohne jede Rücksicht auf die momentane Perspektive wortwörtlich auszusprechen- was kein guter Stil ist. Desweiteren schwanken alle Protagonisten andauernd zwischen hysterischem Gekicher und ebenso hysterischen Wutanfällen, die sich bevorzugt(wohl mangels anderer Stilmittel)durch die Caps-Lock-Taste ausdrücken. Inwieweit das Verhalten der Figuren den Darstellern der ‚Wilde Kerle‘-Filme entspricht, kann ich mangels Kenntnis dieser Filmreihe nicht sagen- es entspricht aber auf keinen Fall dem lebendiger Menschen, sondern eher dem überdrehter Cartoon-Figuren.
Sonstiges
Die weitgehende Abwesenheit von Absätzen und Leerzeilen, die Dialogzeilen und Perspektivwechsel anzeigen könnten, macht es noch schwerer, sich durch diesen im wahrsten Sinne des Wortes ‚chaotischen‘ Haufen zu kämpfen. Perspektivwechsel mit dem Wort ‚Sichtwechsel‘ bzw. Rückblenden mit ‚Flashback‘ fett unterlegt anzukündigen, ist, wie wenn man den Leser durch Ohrfeigen daran erinnert, umzublättern, und somit indiskutabel. Das gesamte Erscheinungsbild des Textes, der abwechselnd aus pausenlosen(und dann nur bruchstückhaften)Dialogen und dann wieder nur aus Fließtext in einer durchgehenden Wurst besteht, ist einfach nur abschreckend.
Eine Grundidee außer der, sich in ‚quietschigen‘ Episoden über die Darsteller der ‚Wilde Kerle‘-Filme lustig zu machen, konnte ich nicht erkennen. Ich kann aber anerkennen, dass die Zusammenfassung den über 170.000 Wörter langen Text sehr gut zusammenfasst- mehr Inhalt gibt es tatsächlich nicht. Wenn überhaupt, dann bestand die Idee der beiden Autorinnen darin, sich in dieser ‚Geschichte‘ auszutoben und sich persönlich zu amüsieren- was das gute Recht jeden Autors ist. Anspruch auf Qualität gab es bedauerlicherweise aber keinen merkbaren, was es wenig ratsam erscheinen lässt, so einen Text im Internet und außerhalb des Freundeskreises zu veröffentlichen.
Persönliche Meinung
Ich fühle mich mit dieser Geschichte nicht angesprochen, weshalb mein Eindruck kein Positiver ist. Für mich(und alle anderen Leser mit einem gewissen Anspruch an ihren Lesestoff)ist dieser Text so interessant, wie frisch aufgetragener Wandfarbe beim Trocknen zuzusehen. Weder gibt es nennenswerte Charakterisierung, noch eine nachvollziehbare Handlung oder gar so etwas wie Spannung. Die Autorinnen geben an, dass der Humor im Vordergrund stand und sonst nichts- diese Art von Humor wendet sich aber ausschließlich an sehr junge Leser. Echter Humor braucht Spontaneität und Ironie- aber kein ausgelutschtes Klischee wie die sprichwörtliche Bananenschale. Am Schluss gibt es übrigens neben anderen persönlichen Worten der Autorinnen auch die Anmerkung „Danke an alle, die sich diesen Schwachsinn angetan haben.“ Ein Satz, der zwar wohl ironisch gemeint war, aber eigentlich diesen ganzen Kommentar ersetzen könnte.
Überarbeitungsvorschläge
Überarbeitungsvorschläge jeglicher Natur stehen bei einem so bewusst konfusen Projekt auf verlorenem Posten- versuchen will ich es, um der Objektivität dieser Kritik Willens, doch. Was dieser Text wie einen Bissen Brot braucht, sind Absätze, die zumindest etwas Ordnung in dieses Chaos bringen. Es würde der Lesbarkeit auch gut tun, sich so etwas wie eine Grundidee, die über „möglichst viel Klamauk und Gequietsche“ hinausgeht, zurechtzulegen. Humor braucht, wie schon früher erwähnt, einen Überraschungseffekt und Ironie, um zu wirken, und keine abgeschmackten, fertigen Klischees.
Generell braucht diese Geschichte Ruhe, damit sich ein Leser darin zurecht finden kann; der Text leidet ganz allgemein am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. In Wahrheit standen nicht die Figuren des Fandoms(der ‚Wilde Kerle‘-Filme eben)im Vordergrund, sondern der Tratsch und die alltäglichen Nöte heranwachsender Teenager zwischen Handy, Schulhof und Eisdiele, und das auf eine grotesk überzeichnete Weise.
Dass man etwas rein zum persönlichen Vergnügen schreibt, ist mehr als legitim; fragt man dann aber nach Kritik(wie in diesem Fall mit dem Feedback-Forum geschehen), darf man sich nicht wundern, wenn sie angesichts einer solchen Zumutung harsch ausfällt. Dabei sehe ich nicht gänzlich schwarz für die beiden Autorinnen: Mit dem Willen, etwas Lesbares zu fabrizieren, und ohne die Absicht, platten Humor aufeinanderzustapeln, gibt es durchaus erkennbare Ansätze zu einem erzählerischen Talent. Dieses liegt in der vorliegenden Geschichte aber sehr gut verborgen.
Liebe Grüße,
Rahir