Jugendsünden(Supernatural)
Titel : Jugendsünden
Autor : Shadow1a
Prosa oder Poesie : nein
Fandom / Original : Supernatural
Genre : Horrordrama
Link zur Story : http://www.fanfiktion.de/s/4bc6d8c40000cfca06514438/1
Kurzbeschreibung des Inhalts : FSK 18 Horror: Hurt-Compfort Sam und Dean / Whump Sam // Sex / Gewalt und Drama.
Es handelt sich um eine Fortsetzungsgeschichte mit zwei Vorgängern. Weiter geht es, diesmal auf eine Reise durch die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Wieder erschüttern grausame Morde eine kleine Gemeinde. Bald erkennen die Jäger Sam und Dean, dass der Ursprung der Ereignisse Jahre zurück liegt. Aber ist ihr Gegner wirklich der für den ihn die Brüder halten? Welche Kraft hält dieses Wesen am Leben? - Und kann man es überhaupt töten ohne sich selbst zu verlieren? Sollte wirklich jedes Geheimnis gelüftet werden?
Denn ... Wenn man lange genug in den Abgrund starrt – dann starrt der Abgrund zurück. Freut euch mit mir auf ein Finale in dem die Brüder auf den gefährlichsten Gegner treffen, der ihnen je begegnete.
Sprache
Von Beginn an fällt der bildhafte und an Metaphern reiche Stil auf, der sehr gelungen Stimmungen und Atmosphäre zeichnet. Die geübt wirkende Schreibweise setzt sich während der gesamten Geschichte fort und lässt Orte wie auch Gefühlsregungen plastisch und leicht vorstellbar werden. Vor allem die Landschaftsbeschreibungen fielen mir durch ihre Schärfe und ihren Variantenreichtum auf; gerade hier empfehle ich aber der Autorin, die Beschreibungen, so gut sie sind, etwas zurückzuschrauben. Denn sie erreichen stellenweise den Punkt, wo sie das Geschehen im Vordergrund durch ihre Länge zu verdrängen drohen.
Rechtschreibung und Grammatik sind soweit gut, bis auf einen Punkt: Die Kommasetzung. Ich empfehle der Autorin das Büffeln der Komma-Regeln, denn diese Satzzeichen befinden sich in dieser Geschichte zu einem guten Teil an den falschen Stellen- oder fehlen ganz. Und das oft an sehr augenscheinlichen Stellen, was den Lesefluss teilweise hemmt, da man immer versucht ist, geistig die fehlenden Beistriche selbst einzusetzen. Ein weiterer Punkt, die Sprache betreffend: Fast jeder Autor hat seine Lieblingswörter, die er auffallend oft einsetzt. Hier ist es das Verb ‚Raunen‘ und die Anrede ‚der Hüne‘. Die Figuren verständigen sich größtenteils durch ‚raunen‘, was bald auf unfreiwillige Weise komisch wirkt.
Inhalt/Handlung
Die Geschichte eröffnet mit einem Prolog. Gleich vorneweg: Man kann von Schreibregeln halten, was man will. Das Interesse des Lesers möglichst auf den ersten Seiten zu erregen, gilt aber immer. Wenn schon der Einstieg langatmig ist, dann ist es zusätzlich kontraproduktiv, einen mehrere Seiten langen Prolog vorzuschieben, der zwar schön Atmosphäre erzeugt, letztendlich aber ins Nirgendwo führt. Im Grunde spielt sich der Plot zwischen den Brüdern Dean und Sam sowie einem Inspektor Warren ab, der rätselhafte Mordfälle untersucht. Nachdem mir die Geschichte im unvollendeten Zustand vorliegt, kann ich nicht mehr dazu sagen.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen wie gesagt die zwei Brüder und deren Verzweiflung über ein Schicksal, das die Autorin in einer Traumsequenz zu Beginn zwar andeutet, aber keineswegs etabliert. Die Vorlage zu dieser Fanfic mag erklären, warum das Schicksal dieser beiden Brüder so furchtbar ist, aber ich als jemand, der die hierzugrundeliegende Serie nicht kennt, bekomme nicht einen Funken Verständnis für das Geschehen vermittelt. Um wirklich gute Fanfiktion zu schreiben, sollte man bei aller Liebe zur Vorlage immer so schreiben, dass auch ein Außenstehender zumindest nicht völlig verwirrt überbleibt.
Interessanterweise gibt es immer wieder Einfügungen der Autorin, wonach bestimmte Kapitel „auf empfindsame Naturen verstörend wirken können“. Ich würde durchaus soweit gehen, mich selbst als relativ empfindsame Natur zu bezeichnen- allerdings war die Wirkung eher einschläfernd als verstörend. Verstörend war eher, wie sich die Figuren in ihrem Strudel aus Selbstmitleid drehen und keinerlei Entwicklung durchmachen. Es kommt auch das sensible Thema der Depressions-bedingten Selbstverletzung vor, wobei ich zugeben muss, dass die Autorin es auf eine recht authentische und eindrückliche Weise schildert. Ob das allein bereits „empfindsame Naturen“ verstört, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.
Charaktere
Den beiden Hauptdarstellern, Dean und Sam, wird ein überaus tragisches, geradezu verzweifeltes Leben zugeschrieben, das wohl mit ihrer Tätigkeit als Werwolf-Jäger zu tun hat. Was darüber hinaus Deans Alkoholabhängigkeit und Sams Neigung zur Selbstverletzung verursacht, blieb mir verborgen. In der hier stattfindenden Geschichte findet sich keine ausreichende Charaktermotivation für so ein Leben ‚am Abgrund‘. Womöglich fußt dieser Umstand auf die dazugehörige TV-Serie, aber zu der kann ich mangels Kenntnis nichts sagen.
Generell wirken die Figuren als Vehikel für die Fantasie der Autorin, die sie einfach gern ‚leiden lässt‘, was die Kommentare zwischen den Kapiteln bekräftigen. Ausgegoren in sich wirken sie für mich jedenfalls nicht, zu wenig weiß man über ihre Beweggründe. Etwas mehr Glaubwürdigkeit bekommt da noch die Figur des Inspektors Warren, welcher die sich ereignenden Todesfälle untersucht. Desweiteren gibt es mehrere Figuren, die in Rückblenden in die Zeit der 60er Jahre auftreten, deren Bedeutung mir aber im derzeitigen Zustand der Geschichte unklar blieb.
Sonstiges
Die Grundidee der Geschichte besteht aus zwei Teilen: Einerseits dem Subplot mit den Mordfällen, die durch einen Ermittler verfolgt werden, was dem ganzen einen Krimi-mäßigen Anstrich gibt. Und dann gibt es noch den anderen Teil, der den größeren Platz einnimmt und vom ‚Leiden‘ der beiden Brüder handelt, welches auszubreiten die Autorin sich große Mühe gibt. ‚Originell‘ kann ich es nicht wirklich nennen, da es mehr aus einem inneren Bedürfnis der Autorin zu entstehen scheint als aus dem Drang, eine stimmige Geschichte zu konstruieren.
Die Erzählfülle hätte wesentlich dichter sein können, würde der Herzschmerz der beiden Brüder nicht so viel Raum einnehmen. Der durchaus interessante Plot kommt so etwas kurz, und auch die stimmungsvollen Beschreibungen stehen auf verlorenen Posten gegen die Leiden der Zwei. Das sich daraus ergebende langsame Tempo der Geschichte erfordert echte Geduld oder eben die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Rasante Geschehnisse sollte man nicht erwarten, stattdessen mehr das nur allmähliche Entfalten der Handlung.
Persönliche Meinung
Nach meiner Ansicht haben diese Geschichte sowie ihre Autorin durchaus Potential. Dieses Potential hätte sich aber mehr auswirken können, würde man das nicht sonderlich plausible persönliche Drama der beiden Brüder zurückstutzen, um so dem Plot mehr Raum zu lassen. Jeder Autor kennt die Situation, wo er völlig in eine Szene reinkippt und kaum noch aufhören kann; so wohltuend das für den Autor auch sein mag, ein Leser wird das Ergebnis mehr genießen können, wenn man sich in diesen Momenten auf das Wesentliche beschränkt und den Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kommen lässt.
Ach ja, noch ein Punkt, der immer wieder zutage tritt, so auch hier: Liebe Autorinnen, wenn ihr aus der Perspektive männlicher Figuren schreibt, erwähnt keine Haarfarben und schon gar nicht die Anrede ‚der Blonde‘. Die Zuordnung anhand von Haarfarben wirkt einfach nur lächerlich. Für eine Frau mag es schwer vorstellbar sein, aber die allermeisten Männer kümmert ihre Haarfarbe nicht im Geringsten. Und schon gar nicht Werwolf-jagende ‚Hünen‘.
Überarbeitungsvorschläge
Eine Möglichkeit zur Überarbeitung dieses Textes wäre es, das Selbstmitleidsdrama der beiden Brüder zugunsten eines flotteren Plots zurückzuschrauben. Darüber hinaus verdient die Kommasetzung innerhalb der Geschichte eine gehörige Portion Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt sollte auch bei den Landschaftsbeschreibungen geachtet werden, dass sie sich nicht zu sehr ausbreiten und somit das Geschehen verdrängen.
Fazit: Eine sich langsam entfaltende Geschichte voller persönlichem Drama- vielleicht schon zu viel Drama.
Liebe Grüße,
Rahir