Bewertung: 2:14 von sebna (Horror)
| Bewertungsformular | ||
| Allgemeine Daten | ||
| Titel: | 2:14 | |
| Autor | sebna | |
| Kapitel [Länge] | 1 [2.249 Wörter] | |
| Link | ||
| Status | Vollendet | |
| Fandom | - | |
| Genre | Horror | |
| bewertet im: | Juli 2008 | |
| Bewerter: | Smailii1805 | suede | |
| Kategorie | Kommentar | Wichtung |
| Sprache | Die Autorin hat durchaus ein Gespür für Sprache und den richtigen Einsatz von Worten. Jedoch hat sie einen leichten Hang zu unvollständigen Sätzen und unnötigen Wiederholungen. | 40 |
| Rechtschreibung | Einwandfrei bis auf wenige Flüchtigkeitsfehler, die kaum ins Gewicht fielen. | 5 |
| Sprachschatz | Die Autorin weiß Worte geschickt und abwechslungsreich einzusetzen. Sie bemüht sich Wort und Satzwiederholungen zu vermeiden, wenn diese nicht dem Spannungsaufbau dienen sollen. Jedoch merkt man, dass sie sehr viel Wert auf Formulierung legt, sodass hinter dem geschwollenen Stil die Handlung und das Bild zurücktritt. She's trying too hard. | 9 |
| Grammatik | keine Beanstandungen | 5 |
| Ausdruck | Die Geschichte wird sehr deutlich und in vielen Einzelheiten beschrieben. Man kann sich wirklich alles gut vorstellen, schlüpft selbst in die Rolle des erzählenden Ichs, obwohl man trotzallem nur wenig über die Figuren erfährt. Beschrieben und erklärt, verdeutlicht und veranschaulicht wird zwar bis ins kleinste Detail, jedoch bleibt es meist dennoch bei schwammigen Aussagen, Allgemeinplätzen und Informationen, die nicht unbedingt wichtig für den Verlauf der Geschichte sind. All dies ist sicherlich ein Stilmittel, um den Leser in Sicherheit zu wiegen, ihm nicht gleich zu Anfang zu verraten, worauf es hinauslaufen wird, um den Schockeffekt am Ende zu verstärken, es führt allerdings auch zu einer gewissen Langeweile, die durch das vorgaukeln einer ""normalen"", gewöhnlichen Situation erreicht wird. Es gibt diverse, wiederkehrende Symbole, die zusätzlich eine unheimliche Atmosphäre schaffen: die Urzeit 2:14, die unheilvolle Farbe Rot, die melodiöse Stimme, von der wie nie erfahren, was sie nun eigentlich spricht. Leider sind diese Bilder nicht deutlich genug herausgearbeiten, dass sie jedem Leser gleich als Symbolträger auffallen werden. | 8 |
| Syntax | Die Sätze sind insgesamt recht kurz, knapp und unverschachtelt gehalten. Oftmals werden gar nicht mal vollständige Sätze gebildet. Es wird viel mit Einschüben und Gedankenstrichen gearbeitet, was zwar für Betonung, aber auch für unnötigen Pathos sorgt. Dennoch bemüht sich die Autorin um einen abwechslungsreichen Stil und erreicht diesen durch gezielte Strukturbrüche, Paradoxa, Chiasmen und sonstige Stilmittel des Satzbaus. | 8 |
| Gesamt Sprache | 35 | |
| Inhalt | Die Autorin spielt damit, dass der Leser nicht genau weiß ob er sich in einem Traum oder in der Realität bewegt. Bis zum Ende wird diese Situation nicht aufgeklärt, was für eine konstante Spannung sorgt. Mitten in der Nacht erwach ein Mann von einem Alptraum, den er bereits mehrfach durchträumt haben muss. Er befindet sich gar in einer Art Traumspirale nach dem "Täglich grüßt das Murmeltier"-Stil. Beschrieben wird ein Horrortrip, ein kaltblütiger und unbegründete Mord und die Frage nach der Realtität im Traum und dem Traum in der Realität | 40 |
| Verhalten der Charaktere | Das Verhalten den Hauptcharakters wird in allen Einzelheiten beschrieben und erläutert, erklärt wird jedoch nur recht wenig. Es ist der pure Wahnsinn der keinerlei Erklärung bedarf und keine Erklärung finden wird. Durch das konsequente Weglassen einer Begründung für das Verhalten des Charakters erhält der Leser das Gefühl einer Fremdsteuerung, einer Willenlosigkeit einer Machtlosigkeit über die Handlungen des eigenen Körpers. Zwar werden Gefühle und Empfindungen geschildert, jedoch keine Gedanken oder Vorhaben. Alles scheint automatisch abzulaufen, wie in einem Traum, in dem man die Selbstkontrolle verliert. Es ist der Autorin gelungen dieses Gefühl rüber zu bringen, jedoch hätte noch deutlicher gemacht werden können, dass die Figur nicht sie selbst ist, die nicht kontrolliert, den Verstand kurzzeitig verliert, nicht weiß warum, wie und was sie tut. Der pure Hass wird beschrieben, dann wiederum die große Liebe. Dieses Paradoxon verwirrt und steigert die Spannung. Es wird nie aufgeklärt und nie in einen Zusammenhang gebracht. Auch dies mag ein Stilmittel sein, hätte aber deutlicher herausgearbeitet werden können, anstatt die Bartstoppeln des Erzählers näher zu beschreiben... | 11 |
| glaubwürdige Handlung | Der Leser weiß nicht, ob er träumt oder wacht, ob er in einem Traum wach geworden oder eingeschlafen ist. Er stolpert mit dem Protagonisten durch eine albtraumhafte Spirale, die im kaltblütigen Mord an der Freunden endet. Dieser wird nicht erklärt, sondern lediglich beschrieben. Die Hauptfigur selbst weiß nicht, was er tun und warum er es tut. Lediglich, dass ihn ein unbändiger Hass überkommt wird erklärt. Glaubwürdig ist dies nicht, spannend und interessant jedoch schon. Realität und Traum verschwimmen und hinterlassen den Leser schutzlos in einer Szene, in der er sich selbst nicht mehr im Griff hat. Ein Trip durch die niederen Regionen des Unterbewusstseins, das freudsche Es, wenn man so will, wird ihr beschrieben und es gelingt eine unheimliche, bedrohliche Szene entstehen zu lassen. Dies jedoch ist nur Atmosphäre, die Handlung an sich wird leider durch lange unnötige Erzähl- und Beschreibungspassagen in die Länge gezogen, was zu einigen Durchhängern führt. Viele Bilder hat man schon hunderttausend Mal gelesen. Die Beschreibung von Verzweiflung und Hilflosigkeit ist ein schwieriges Unterfangen, wenn es nicht stereotyp wirken soll. | 11 |
| roter Faden | Die Geschichte dreht sich im Kreis. Wir beginnen am Ende des Alptraums und enden beim bösen Erwachen, bzw. am Anfang einen neuerlichen Alptraums. Diese Sichtweise ist hoch interessant. Eine Geschichte, die nicht nur nicht gradlinig verläuft sondern sich immer wieder neuen Stoff gibt, ein Perpetuum Mobile der Schriftstellerei, ein Teufelskreis, eine Alptraumspirale. Auch wenn nicht unbedingt ein roter Faden zu finden ist, hat der Verlauf der Geschichte eine überaus interessante Richtung. | 10 |
| Gesamt Inhalt | 32 | |
| Präsentation | Leider nur schwach bis mäßig. An Hand der Kurzbeschreibung wird niemand auf die Geschichte aufmerksam werden... | 20 |
| Struktur | Richtige Absätze macht die Autorin nicht und daher wirkt das Werk optisch wenig ansprechend. Die Übergänge von Traum und Wirklichkeit sind fließend, was allerdings nicht negativ zu bewerten ist. Die Einschnitte und Brüche im Stil hätten hervorgehoben werden können. | 8 |
| Kurz- beschreibung | Die Kurzbeschreibung ist genauso kurz wie der Titel, zu kurz. Etwas mehr sollte schon über den Inhalt verraten werden, sonst läuft die Autorin Gefahr, dass ihre Präsentation ZU nichtssagend und deshalb uninteressant wird. | 1 |
| Erzählfülle | Die Beschreibungen der Autorin sind erschöpfend, geradezu minimalistisch. Die Autorin ist darauf bedacht dem Leser jedes noch so kleine Detail vor Augen zu führen, das sich in ihrer kranken, beängstigenden Szenerie befindet. Alles wirkt recht anschaulich. Die allumfassende Beschreibung kostet jedoch Spannung, die über so lange, so unnötige Passagen nicht gehalten werden kann. Desweiteren werden viele Nebensächlichkeiten viel zu deutlich erläutert, während die wichtigsten Fragen des Textes (die Begründung des Mordes, des plötzlichen Hasses) sowie die Vorgeschichte, eine Vorstellung der Charaktere nicht beleuchtet werden. Sicherlich passierte dies mit Absicht, doch es hätte zumindest daraufhingewiesen werden können, dass diese Fragen im Raum stehen und auch weiterhin nicht beantwortet werden können - eine Tatsache, die den Horror der Unvollendung, des Unvollständigen, des Labilen, des Unkontrollierbaren noch verstärkt hätte. | 4 |
| Titel | Der Titel ist geschickt gewählt. Er gibt nicht zu viel Preis, greift aber ein eintscheidendes Element des Textes auf, die seltsame, scheinbar zufällige Uhrzeit, zu der der Traum immer und immer wieder seinen Lauf nimmt | 2 |
| Gesamt Präsentation | 15 | |
| Zusatzpunkte | 10 | |
| originelle Idee | Wie bereits erwähnt gibt es derartige Spiralgeschichten im Stile von "und täglich grüßt das Murmeltier"-Stil, und auch Horrorautoren bedienen sich gerne dem Stilmittel des verwirrenden Endes, der nicht nachvollziehbaren Katastrophe und dass ein Mord, ein unkontrollierter, blutiger Mord den Höhepunkt der Geschichte bildet ist auch nicht gerade überraschend. All diese Elemente sind nicht neu, jedoch wirken sie - auch hier. Die Geschichte schockt und das ist im Grunde auch ihre einzige Intention. | 2 |
| Spannung | Die Autorin versucht Spannung durch Hinauszögern zu erzeugen. Leider zögert sie hier und da zu viel hinaus, wiederholt zu häufig Satzpassagen, wird so eindringlich und aufdringlich, dass es nicht nur unangenehm, sondern auch nervig wird. | 4 |
| Gesamt Zusatzpunkte | 6 | |
| Gesamt | 88 | |
| Prozent | 88% | |
| Note: | gut+ | |
| Rezension: Die klassische Horror-Geschichte besitzt ein klassisches Stilmittel: Die Unordnung, das Durcheinander eines bestehenden Schemas und die Unsicherheit, die damit einhergeht. In der Kurzgeschichte 2:14 macht sich die Autorin genau dieses Stilmittel zueigen. Sie beschreibt eine Horrorvision, einen realen Alptraum oder eine traumatische Realität. Die Geschichte bewegt sich in den Abgründen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, zwischen Ich und Es. Der beschriebene Alptraum hat keinen Anfang und kein Ende. Es wird überhaupt in Frage gestellt, ob es sich bei dem beschriebenen Sachverhalt um einen Traum handelt: Ein Mann erwacht des Nachts in seinem Bett und sinniert über einen sich wiederholenden Alptraum, nichts ahnend, dass er sich bereits in diesem Augenblick wieder in der Alptraumspirale befinden und sein Schicksal nicht allein von ihm kontrolliert wird. Emotionen konkurrieren mit Gedanken, kollidieren mit den inneren Zwängen und so kommt es schließlich zur endgültigen Katastrophe oder aber eben nur wieder zum End- und Anfangspunkt einer sich im Kreis drehenden Empfindungsspirale. Obwohl das Thema und auch die Handlung der Geschichte überschaubar und nicht unbedingt originell erscheinen, gelingt es der Autorin durch gezieltes Einsetzen von Stilmitteln und Signalwörtern, Spannung und das gewisse Schaudern zu erzeugen. Leider übertreibt sie es hin und wieder ein wenig und durch zu lange zu nichtssagende Erzählpassagen, zu deutliche Erklärungen erreicht sie in der Mitte des Textes, dass die Spannung durchhängt und sich etwas Langeweile einstellt. Das Weiterlesen lohnt sich jedoch, auch wenn leider zahlreiche Klischees bemüht werden und eine etwas zu pathetische Sprache gewählt wird. Das Ende der Geschichte wartet jedoch mit dem Knaller-Schocker-Effekt auf, den die Geschichte verdient hat, wenn er auch nur durch die detaillierte Beschreibung und nicht durch einen originellen Plot zur Geltung kommt. Verbesserungsvorschläge:
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